Letzte Woche Georgien, Armenien, Aserbeidschan – diese Woche Senegal, Ghana, Westafrika-Bundeskanzlerin Merkel überrascht mit einem ungewohnten Reise- und LERN-Tempo-30.Aug.2018

Ich habe es zuerst gar nicht geglaubt, aber es scheint zu stimmen: Die jetzige Bundeskanzlerin soll in   ihrer Studienzeit durch Russland “getrampt” sein.  Wenn das stimmt, begreift man, warum sie manchem männlichen Konkurrenten überlegen ist!

Jetzt ist also Westafrika dran – und da geht es um einen ganzen Haufen von Problemthemen, mit denen man das allgemeine Publikum leicht erschrecken kann.

Dann aber passiert ÜBERRASCHENDES – und plötzlich erinnern wir uns, daß wir ja doch bloß MENSCHEN sind, die irgendwie mehr schlecht als recht auf diesem Planeten zurechtkommen müssen und sollen und DÜRFEN.

Zur Begrüssung der Bundeskanzlerin Merkel im Senegal wird nach dem protokollarischen Pflichtprogramm gespielt:

  • “Ja, wir sein mit*n Radl da …” (Wachauer Buam, um 1960?)
  • “Schöne Maid, hast du heut für mich Zeit …” (Toni Marshall um 1971)

QUELLE der Nachricht: „Schöne Maid“ Merkel mit deutschem Schlager im Senegal empfangen; in: BILD online, RALF SCHULER veröffentlicht am 29.08.2018 – URL https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/zu-hause-brennt-die-huette-was-will-kanzlerin-merkel-denn-in-afrika-56927606.bild.html

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Diese Songs  wurden früher auf dem Land in der Dorfdisco gespielt beim Germanenschwoof und Ringelpitz mit Anfassen oder aber in grossen städtischen Tanzlokalen, wo man  am Wochenende noch einmal südländische Urlaubsgefühle versuchte, wieder zu erwecken und sich ein wenig mondän geben konnte – mit Trinkgeld für den Kellner und Mantel an der Garderobe abgeben, wo schon damals Gastarbeiter saßen – und ich, weil ich damals von einem ceylonesischen Buddhisten und einem bengalischen Brahmanen lernen wollte.

Dorfdisco und städtische Tanzpaläste habe ich schon viele Jahre praktisch nirgends mehr gesehen – und wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß sie ungefähr  ausgestorben sind.

Aber die MUSIK hat überlebt!

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Bei dieser Gelegenheit fällt mir urplötzlich wieder ein ein berühmter Name, nämlich  Leopold Sedar Senghor – 1906 – 2001 – erster Präsident des SENEGAL nach dem Ende der französischen Kolonialzeit,  den man “bildungstechnisch” vielleicht noch abgespeichert hat als “Dichter und Sänger der Negritude”, was einmal um 1927 herum eine “spannende Sache” gewesen ist, die weltweite Aufmerksamkeit weckte.

Hand auf’ s Herz: Ich habe Senghor nie gelesen und es ist sehr lange her, daß ich durch oben erwähnten bengalischen Brahmanen auf Rabindranath Tagore – 1861-1941 –  aufmerksam geworde war, wohingegen die meisten heutigen Westeuropäer wahrscheinlich Rudyard Kipling – 1865-1936 – wegen dessen “Dschungelbuch” besser erinnern dürften.

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Und plötzlich fällt mir auf: Senghor, Tagore, Kipling das ist schon fast ein ANDERES ZEITALTER, wo man man noch Musse hatte für BÜCHER und LITERATUR, damals VOR den Computern, Tablets  und Smartphones.

Und mir fällt auf, als ich lese, daß Senghor als Offizier der französischen Armee im 2. Weltkrieg gekämpft hat und 1940 beinahe von NAZI-Deutschen erschossen worden wäre, daß die GESCHICHTE DER KOLONIALTRUPPEN im Ersten und im Zweiten Weltkrieg noch gar nicht geschrieben ist, so daß wir heute nur wenig wissen von den damaligen HELDEN und Abenteurern, die oft gar nicht gefragt wurden und einfach mitziehen mußten, um in der Fremde zu sterben.

Ich bin schon etwas erschrocken, WIE WENIG wir WISSEN von den BEITRÄGEN AFRIKAS zur EUROPÄISCHEN GESCHICHTE und Kriegsgeschichte des 20. und letzten Jahrhunderts.

Aber das ist viel zu hoch gegriffen und hoch gestochen: Mit fällt plötzlich wieder ein, daß ich in meiner Hilfsarbeiterzeit öfter schwarze Arbeitskollegen hatte, und zwar Abiturienten und/oder mit Baccalaureat und sogar aus einer Diplomatenfamilie. Ich habe auch schon Schwarzafrikaner getroffen, die konnten besser Deutsch als manche “einheimischen Ureinwohner aus Germanen-Reservaten”. Allerdings gibt’ s da nicht viel zu erzählen, weil die einfach viel zu normal waren und weil wir einfach normal zusammenarbeiten mussten und unsere Arbeit schaffen mussten. Ich mußte zum Beispiel einmal AUF TEMPO mit einem Schwarzen aus Kamerun jeden Tag einen (Eisenbahn-) Waggon 20-kg-Päckchen auf Europaletten packen – während sich die deutschen Kollegen die Eier geschaukelt haben: Ich begreife heute noch nicht, wie man jemals auf die Idee von dem “FAULEN NIGGER” gekommen ist??!! Die sind NICHT FAUL, die sind FLEISSIG und machen sogar AKKORDTEMPO mit!

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Es ist schon seltsam, daß sich manchmal EREIGNISSE zu “clauds” sozusagen “statistisch zusammenklumpen”, jedenfalls in der Wahrnehmung des halbwegs wachen Zeigenossen:

  • ZEITGLEICH hat diese letzte Augustwoche 2018 in Deutschland die Übergabe von mehreren Knochenresten von HEREROS aus anthropologischen Sammlungen deutscher Universitäten an die Regierung des heutigen Namibia stattgefunden. Diese Knochenreste waren nach Deutschland gekommen im Zuge  des HERERO-Aufstandes von 1904 – 1908, der von dem kaiserlich-preussischen  General Lothar von Throta auf eine Art und Weise “erledigt” worden ist, die wir heute als VÖLKERMORD bezeichnen. Die Familie von Throta ist sich heute durchaus ihrer Verantwortung bewusst, was freilich der heutigen Regierung Namibias nicht genügt, die “ordentlich Geld” sehen will. “Ordentlich Geld sehen” – das formuliere ich nicht AUS VERSEHEN so, sondern weil ich dieses Jahr kurz nach meinem 65. Geburtstag endlich Dokumente bekommen habe, die BEWEISEN, DASS VON ANFANG AN MEINES LEBENS BEKANNT WAR, daß meine Mutter in MINDESTENS ZWEI NAZI-KONZENTRATIONSLAGERN gewesen ist. Wir haben uns ANGWÖHNT durch eine Art BEWUSSTSEINSVERÄNDERUNG durch die US-amerikanischen Kriegsverbrecheprozesse in Nürnberg nach dem 2. Weltkrieg, zu GLAUBEN, daß solche Art UNRECHT durch GELD “irgendwie in Ordnung” gebracht, irgendwie gesühnt werden kann. Nur ich  mit meiner ländlichen Einfalt frage mich, WAS EIGENTLICH GELD in der doch SEHR SPEZIELLEN BEZIEHUNG ZWISCHEN MUTTER UND SOHN ÜBERHAUPT VERLOREN HAT!  Viel mehr noch: WAS SOLL DARAN GERECHT sein, wenn ICH für SCHMERZEN, die ich NICHT SELBER GEHABT habe, GELD erhalten soll???!!!
  • Ebenfalls im Sommer 2018 geht durch die Nachrichten, daß die Republik Südafrika die VORHERRSCHAFT des WEISSEN GRUNDBESITZES in Südafrika brechen will – und zwar durch eine Art ENTEIGNUNG. Das nun würde wahrscheinlich gar nicht weiter beachtet worden sein, hätte nicht “Trump dazu getwittert” – und sich tierisch aufgeregt! — QUELLE: Enteignungen von Farmern Trump-Aussagen zu Südafrika lassen den Rand absacken. Der US-Präsident kündigt an, die Enteignungen von Farmern in Südafrika zu untersuchen. Die Einmischung in innere Belange schürt Sorgen über Sanktionen; in: Handelsblatt, 23.08.2018, Alexander Möthe – URL https://www.handelsblatt.com/politik/international/enteignungen-von-farmern-trump-aussagen-zu-suedafrika-lassen-den-rand-absacken/22943564.html?ticket=ST-163645-onLGuVE1sKuIiiz4LFVW-ap5
  • Ebenfalls ungefähr zeitgleich wird wieder in Deutschland eine SPRACHREINIGUNG zur VERMEIDUNG von RASSISMUS angemahnt – und ERNEUT wird verlangt, daß man “NEGER” nicht mehr sagen darf, “Sarotti-Mohr” nicht mehr benutzten soll und am besten auch noch gleich den “Nickneger”-Spendentopf an der “christlichen Weihnachtskrippe” abschaffen soll. Ich begreife nur eines nicht: Wenn wir NEGER abschaffen, werden wir dann auch das Wort für NEGRITUDE – siehe oben Leopold Sedar Senghor aus dem Senegal als MIT-Erfinder von “negritude” um 1927 – ÄNDERN MÜSSEN? Sollten wir dann vielleicht auch besser “NIGER” und “NIGERIA” umändern, denn alle diese Wörter kommen von LATEINISCH “niger” und BEDEUTEN das, was man heute gerne auf Deutsch hören möchte, nämlich “SCHWARZ”. Und da ist noch etwas, was mir nicht gefällt: Der obige weblink zum Artikel “Neger” in deutscher Wikipedia enthält einen wunderbar DIFFERENZIERTEN Artikel über BEDEUTUNGSVERSCHIEBUNGEN, über BEDEUTUNGS-ANMASSUNGEN und über POLITISCHE INSTRUMENTALISIERUNGSVERSUCHE wegen des Wortes “NEGER”, so daß ich den Eindruck gewinne: Das “WORT “Neger” kann wirklich NICHTS DAFÜR, was DUMME und BÖSE Menschen damit alles gemacht haben, wie sie je nach Lust und Laune dieses Wort “aufgeladen” haben. Noch einmal: Es BRINGT meiner Meinung nach NICHT VIEL, ob ich nun auf LATEINISCH “NIGER” sage oder auf Deutsch “SCHWARZER”, denn es ist BEIDES DASSELBE, nämlich an sich eine FARBE. Ich würde sogar noch weiter gehen: Nicht die FARBE “schwarz” ist das PROBLEM, sondern die Farbe “WEISS”, nämlich die MENSCHENVERACHTENDE GESINNUNG UND EINSTELLUNG VON WEISSEN HERRENMENSCHEN. Es sind diese WEISSEN HERRENMENSCHEN DIE IMMER NOCH IN VIELEN TEILEN AFRIKAS DEN LANDBESITZ DOMINIEREN: 80-90 Prozent des “produktiven” LANDES gehört BIS HEUTE WEISSEN, in Südafrika, in Kenia, in Tansania, in Simbabwe. UND GENAU DAS ZU ÄNDERN, hat Südafrika GERADE EBEN ANGEFANGEN, wie oben berichtet. Ich meine: Das ganze GEREDE um WORTE oder um Staatsformen in Afrika hat bis heute NICHT VIEL GEBRACHT – und wenn Afrika JEMALS HERR IM EIGENEN HAUS werden will, dann müssen AFRIKANER die CHEFS und MANAGER und EIGENTÜMER der Firmen, Betriebe, Farmen und Rohstoffe sein – oder vielmehr werden.  Das ist eben die FUNDAMENTALE VERLOGENHEIT der gegenwärtigen Situation in Afrika: Der KOLONIALISMUS und auch die Apartheid in Südafrika sind inzwischen schon JAHRZEHNTE vorbei, aber die TATSÄCHLICHE MACHT hat sich NICHT GEÄNDERT und liegt IMMER NOCH BEI WEISSEN, die man aber gar nicht “Weisse” nennt, sondern “Investoren”. Klammer auf: Es klingt gebildet, wenn man “Apartheid” sagt, aber die GEMEINTE SACHE in diesem WORT und in dieser POLITISCHEN SPRACHREGELUNG ist RASSENTRENNUNG – und für RASSENTRENNUNG muß man ein BEISPIEL bringen, weil man es sonst gar nicht glauben kann: RASSENTRENNUNG der ARPARTHEID war zum Beispiel EIN BUS, wo die linke Seite der Sitze für SCHWARZE war und die rechte Seite für WEISSE, wo in einem Cafee die Tische für SCHWARZE und für WEISSE STRENG GETRENNT waren.  Da muß jemand SEHR VIEL ANGST gehabt haben, wo Kinder nur lachen und ZUSAMMEN SPIELEN würden! Klammer zu!

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Oh, ich sehe gerade, daß unterwegs die Leichtigkeit des gepflegten Plaudertons sich etwas verflüchtigt hat. Und deshalb gestatte man mir ein Schlußwort, das die PERSPEKTIVE vielleicht wieder etwas geraderückt:

FÜR mich und für ETLICHE von meinen AUSLÄNDISCHEN BEKANNTEN insbesondere der JÜNGEREN Semester und der JUNG GEBLIEBENEN sind viele der aktuellen Aufgeregtheiten SCHNEE VON GESTERN. Der Thilo Sarrazin – der wird gerade heute, 30. Aug. 2018,   aktuell zerfetzt wegen seines neuesten Buches, das genauso unterbelichtet ist, wie seine beiden ersten Bücher –  zum Beispiel hat noch gar nicht gemerkt, daß MARXISMUS WISSENSCHAFTLICH ERLEDIGT und VERALTET ist, daß ein GROSSTEIL der ÜBERSETZUNGEN islamischer Literaturen in europäischen Sprachen von SCHLECHTER LINGUISTISCHER QUALITÄT ist und oft auch einfach FALSCH – was ein Hauptthema war, als ich letzten Monat einen ehemaligen islamischen Nachbarn, der sogar dem Linienhalter der osmanischen Familie vorgestellt worden ist und der jetzt Doktoratsstudent in Oxford ist, wieder getroffen habe. Die AKTUELLEN WISSENSCHAFTLICHEN DISKUSSIONEN ÜBERALL AUF DER WELT innerhalb der NÄCHSTEN WISSENSCHAFTSGENERATION SIND LÄNGST GANZ WOANDERS ANGEKOMMEN, nicht nur weit draussen im Weltall, sondern zum Beispiel auch beim Einfluß des Erdmagnetfeldes auf TIERWANDERUNGEN – und natürlich auch auf MENSCHENWANDERUNGEN oder bei der INFRASCHALLWAHRNEHMUNG (in den FÜSSEN?)  der ELEFANTEN.  Wir JUNGEN wollen nicht über AFRIKA LABERN, sondern AFRIKA HÖREN und LERNEN. HEY: Wozu gibt’s denn COMPUTER?

Und deshalb schließe ich jetzt mit ZULU-Musik aus Südafrika, wo Afrika sozusagen am schwärzesten ist, ganz einfach deshalb, weil ich die Musik Westafrikas NICHT KENNE, da habe ich BILDUNGSLÜCKEN. Und ich denke: DIESE SORTE VON BILDUNGSLÜCKEN SIND UNSER ALLER PROBLEME – und nicht die Frage unterschiedicher Hautfarben und/oder unterschiedlicher Gerüche in der Küche.

Oh mein Gott: Ich muss noch SO VIEL LERNEN!

Buike Science And Music

About bbuike

- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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