Quarzitkuppe und Schloss Liedberg, sowie die echte Gruselgeschichte vom Pfadfindergrab – Der Ayers Rock der Neanderthaler vom Niederrhein – Bilderbogen

Quarzitkuppe und Schloss Liedberg, sowie die echte Gruselgeschichte vom Pfadfindergrab – Der Ayers Rock der Neanderthaler vom Niederrhein – Bilderbogen

Der junge Pfadfinder denkt, daß er seine  Nachbarschaft und seine nähere Umgebung “kennt” – bis folgendes nach fast 40 Jahren passierte:

Samstag, 12.05.2018, kam ich von einem Fahrrad-Training nach Giesenkirchen, einem Stadtteil von Mönchengladbach, wo ich NOCH NIE GEWESEN bin, zurück. Auf dieser Tour hatte ich Zwischenstation gemacht in LIEDBERG, wo ich zwei Ukrainer (!!) traf, die mich zum dortigen Schloß geführt hatten, woselbst ich auf einem Rätselschild die Rätselaufschrift las “Pfadfindergrab”, das ich jedoch nicht besuchte, weil ich in diesem Leben  genug Gräber und Kriegerdenkmäler gesehen habe.

Fast zu Hause zurück  kam mir einer von diesen fast ausgestorbenen “knorrigen Ureinwohner” von Neuss-Nord entgegen. Man schwatzte so dies und das und kam auch auf Liedberg zu sprechen. Ja, sagte der alte Mann, der trotz seines Alters immer noch seine Tauben und Hühner versorgt und sogar selber Honig macht – mein Nachname “Buike” – Beverick – Beverigkh – Bouic bedeutet “Imker” und wir Buikes sind weltweit sozusagen die geborenen BESCHÜTZER der Bienen, ob wir uns das nun ausgesucht haben oder nicht und infolgedessen also  geborene Gegner von Monsanto-Bayer und Glyphosat und Roundup! – er kenne Liedberg gut, weil sein Sohn den ehemaligen Schloßbesitzer kannte, von dem er die Story vom Pfadfindergrab gehörte hatte.

Oho, dachte ich, das ist aber seltsam, daß dir eine Frage beantwortet wird, die du gar nicht gestellt hast, nämlich die Sache mit dem “Pfadfindergrab”, wo  ECHTE Pfadfinder beerdigt liegen, die in den 1930iger Jahren in das unterirdische Stollensystem am Liedberg eingedrungen waren. Dazu gleich mehr.

So, und jetzt wissen wir, warum ich diesen Bilderbogen schreibe, denn jetzt war meine Neugier geweckt und ich wollte LERNEN!

Das erste, was ich lernte, war: Du kannst so oft in Liedberg gewesen sein, wie du willst, aber wenn du immer nur auf der Hauptstraße bleibst, die den unauffälligen Ort flach und platt durchzieht, dann merkst du GAR NICHTS!

Man merkt noch nicht einmal, daß man sich auf einer alten Römerstraße bewegt, die von Neuss ausging!

Lässt man sich jedoch verführen und zweigt zum Schloß am Berg ab, dann entdeckt man sozusagen einen ZWEITEN ORT mit VÖLLIG ANDEREM CHARAKTER und einer VÖLLIG ANDEREN BAUSUBSTANZ, nämlich speziell in FACHWERKBAUWEISE mit schwarzen Balken und grellweiss verputzten LEHMFLÄCHEN der Gefache.

Wenn das an der Mosel läge oder bei Rüdesheim oder bei Heidelberg, dann wären da Japaner und US-Amerikaner,  die verzückt rufen würden: “Ah!” und “Oh!” Und: “How very much typical romantic Germany!”

Es ist aber nicht Heidelberg, die Ureinwohner tragen auch keine “Krachledernen” und bayerische “Dirndl”  und hat sich der Flecken  noch nicht bis Japan und nach USA herumgesprochen und ist also einfach nur BILDHÜBSCH und fast irreal beschaulich mit seinen Hofeinfahrten und verwinkelten Gässchen.

Es ist aber kein Museumsdorf, sondern da leben Menschen, die moderne Autos haben.

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Die Storyvom “Pfadfindergab” bringe ich jetzt aus folgender Quelle: Popp-Sewing, Jan: Webprojekt “burgerbe.de”; page-title “Das Pfadfindergrab von Schloss Liedberg” UIRL http://www.burgerbe.de/2014/10/19/schloss-liedberg-und-das-pfadfindergrab/

ZITATANFANG >>Der 21./22. Juni 1930 war ein schwarzer Tag in der niederrheinischen Geschichte. 16 Mitglieder einer „Kolonial-Pfadfindergruppe“ aus Düsseldorf feierten (verbotenerweise) in den unterirdischen Gängen des Steinbruchs bei Schloss Liedberg die Sommersonnenwende und die Aufnahme neuer Mitglieder.

Von der Existenz des Labyrinths hatten sie aus einer Jugendzeitschrift erfahren. Rund 800 Meter sollen sie sich bei ihrem Ausflug entlang eines „Piratensaal“ genannten Gangs vom Eingang entfernt haben.

In der größten Kaverne, dem sogenannten Felsenkeller, vergruben sie eine Urkunde in einer Wand. Keine gute Idee, denn ihre Buddelei löste einen Felssturz aus.

Gut 200 Zentner an Steinbrocken lösten sich aus der Decke und begruben vier Jugendliche unter sich. Einen konnten seine Kameraden noch darunter hervorziehen.

Auch die sofort angerückte Liedberger Feuerwehr konnte die drei anderen nicht mehr retten. Es starben Heinrich Pöstgens, Albert Voigt und Paul Schneiders. Die Polizei verschloss umgehend die Eingänge zum einsturzgefährdeten Stollensystem. Heute markiert ein Kreuz mit den Namen der Verunglückten nahe des Schlosses den Eingang. Die Stelle ist als Pfadfindergrab bekannt.

Die Geschichte sorgte damals für besträchtliches Aufsehen (und erstaunlicherweise eine Eintrittswelle bei den Pfadfindern), speziell durch den Gruselfaktor: Angeblich konnte nur die Leiche von Pöstgens von der Feuerwehr geborgen werden. An die sterblichen Überreste von Voigt sei man nicht herangekommen, und von Paul Schneiders habe sich keine Spur gefunden.

Im Ort verbreitete sich die Geschichte, Schneiders sei möglicherweise gar nicht bei dem Felssturz umgekommen, sondern nur von seinen Kameraden getrennt worden und habe sich dann im Labyrinth verlaufen. Die Feuerwehr habe noch tagelang versucht, durch Klopfzeichen herauszubekommen, ob noch jemand durch die Gänge läuft. So steht’s zumindest in einem Eintrag bei Bunker.NRW.

Ich halte das für eine Legende: Wie ich so eine Niederrheinische Feuerwehr kenne, würde die eher den gesamten Berg abbaggern, als verschüttete Jugendliche dort liegenzulassen.

Die Neuss-Grevenbroicher Zeitung berichtete 2004: „Erinnerung an tragischen Unfall<< ZITATENDE

youtube “Mönchengladbach Das Pfadfindergrab in Liedberg Romantical in Autum Canon 600 D”

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Damit man das Pfadfindergrab samt Alt-Liedberg auch findet, hat man es extra so eingerichtet. daß die Spitze der Dachhaube des Schlosses den Wald überragt und in der tat weitherum sichtbar ist. Für den Hubschrauber-Landeanflug nimmt man sich aber am besten das charakteristische Gebäudeensemble bestehend von links nach rechts aus Schlossturm – Kirchturm – Mühlenturm.

(Alt-)Liedberg-Korschenbroich bei Mönchengladbach: charakteristisches Gebäudeensemble (Schlossturm, Kirchturm-Dachreiter, Mühlenturm)

Homepage des “Schloss Liedberg e.V.”, RA Rolf Frommen, Neuss URL http://www.liedberger-schloss.de/index.html

Ja, so, der Mühlenturm heißt zu Recht so, weil er eine Mühle war, bis ungefähr 1836. Er ist aber nicht ursprünglich eine Mühle gewesen, sondern könnte bereits um 900 n. Chr. entstanden  und zuerst als WEHRTURM / Bergfried  genutzt worden sein. Diese Funktion wurde sozusagen überflüssig, als das heutige Schloß noch eine eigentliche und auch wichtige Festung war.  Man glaubt es kaum, aber der Mühlenturm, der heute etwa 7 Stockwerke hoch ist hat eine eigene Wikipedia-Auskunft unter “Mühlenturm (Liedberg)” URL https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%BChlenturm_(Liedberg)

(Alt-)Liedberg-Korschenbroich: ehemaliger Wehrturm, späterer Mühlenturm

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Die sozusagen “festungseigene” Kirche/Kapelle von 1708  ist heute meistens verschlossen, aber sie hat ein kunsthistorisch nicht uninteressantes  Innenleben, das ich dem Publikum glücklicherweise  aus google maps präsentieren kann. Ich verkneife mir hier allerdings kunstgeschichtliche Fachkommentare, damit sich das Publikum nicht unnötig erschrickt!

Alt-Liedberg: Kapellenfest 2007, hier Feldaltar vor dem ehemaligen Bürgermeisteramt

Alt-Liedberg, Kapellefest 2007, Schlosskirche

Es ist mir etwas peinlich zugeben zu müssen, aber ich konnte das Patrozinium der Schlosskapelle nicht feststellen und auch die Ikonographie des barocken Hauptaltarbildes nicht auflösen: Wenn wir vermuten dürfen, daß es sich bei den beiden spielenden Kindern um Jesus und Johannes, den Täufer, handelt, dann wäre die Frauenfigur die Muttergottes Maria. Wenn aber nicht, ja, dann weiß ich auch nicht …

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Das Schloss Liedberg selbst wird im Augenblick restauriert und umgebaut von dem neuen Eigentümer Peter Overlack  für eine Nutzung durch die Firma OQEMA der Overlack-Gruppe für  Chemiehandel.

Schloss Liedberg, Restaurierung, stand 2014 – der rote Anbau mit kleinem Glockenreiter ist nach meiner unmassgeblichen Meinung das ehemalige Plumsklo! (Diese Vermutung wurde getriggert durch den restaurierten “Dansker” der Deutsch-Ritter-Burg in Torun/Thorn in Polen …)

Der Bauteil, der heute als “Glockenturm” bezeichnet wird ist eventuell das ehemalige Plumsklo, was man sich so vorstellen muß, daß im ersten Stock eventuell mehrere Sitzplätze, vielleicht ähnlich wie in einer antik-römischen Latrine,  waren, damit es plumpsen konnte.

Der Landschaftsverband Rheinland hat zum Schloß mit seinen verschiedenen Bauabschnitten eine instruktive Website mit etlichen Bilder-Galleries erstellt unter URL http://www.schloss-liedberg.de/index.html  – Ausserdem gibt es eine Wikipedia-Auskunft “Schloss Liedberg” unter URL https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Liedberg

Auch der Ort Liedberg hat eine eigene Wikipedia-Page unter URL https://de.wikipedia.org/wiki/Liedberg – ebenso wie die heutige Hauptkirche St.Georgs (Liedberg), 1913-1815 Wikipedia URL https://de.wikipedia.org/wiki/St.Georg(Liedberg) . Nebenbei: Liedberg heute gehört bereits zum Bistum Aachen, so daß ich also bei meinem Fahrradtraining öfter ins kirchenrechtliche “Ausland” komme, wofür ich allerdings heute keinen extra Reisepass mehr benötige.

Korschenbroich, Zollhausstr.28 – Altes Zollhaus an der kurkölnischen (?)  Landesgrenze

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Liedberg, Fußfall aus Liedberger Sandstein, Quelle “Liedberg” Wikipedia

Es gibt in Liedberg an Wegrainen ein besonderes architektonisches Bauwerk, das mir hier in der Gegend ansosnten noch nicht derartig massiv aufgefallen ist und daß mit dem Fachwort “Fußfall” oder “Wegestock” bezeichnet wird. Dabei handelt es ich um etwas aufwendigere Steinkonstruktionen mit religiöser Motivik, in welchen oft eine Aussparung /Nische  für ein Kultbild ist, welches zu frommen Übungen einlädt – oder vielmehr in früheren Zeiten eingeladen hat. Die heute erhaltenen “Fußfälle” / “Wegstöcke” sind aber oft nicht mehr vollständig, so daß Unkundige ihren ursprünglich religiösen Charakter unter Umständen gar nicht mehr erkennen können.

Liedberg-Korschenbroich: Wegestock – Quelle: Denkmle in der Stadt Korschenbroich URL http://www.limburg-bernd.de/Neuss/DenkKor/Nr.%2071.htm

Der Grund für die für mich auffällige Häufung von Fußfällen /Wegestöcken in und um Liedberg dürfte einfach in dem MATERIAL liegen, nämlich dem Liedberger Sandstein, der schon in der Römerzeit als Baumaterial abgebaut wurde. Das zweite ehemals begehrte Naturprodukt aus Liedberg war der Liedberger (Quarzit-)SAND, welcher einmal in der GLAS-Produktion eine Rolle spielte. Diese beiden Naturprodukte sind die URSACHE dafür, daß der gesamte “Liedberger Berg” durchlöchert ist mit Stollen, Gängen und unterirdischen Hallen, was dann eben der Grund wurde für den Bergsturz, der zur Ursache für das am Anfang erwähnte Pfadfindergrab geworden ist.

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Liedberg – Gesamtansicht Quarzitkuppe

Liedberg hat eine am gesamten Niederrhein einmalige, sehr seltene geologische Formation einer Quarzitkuppe aus “anstehendem Gestein”, also keine Anhöhe aus eiszeitlichen Gletschermoränen . Der durchaus beachtlich lange Hügelzug ist so mit Wald zugewachsen, daß man aus der Entfernung die alten Abbaustellen für Sandstein und Quarzitsand gar nicht sehen kann und auch den Ortsteil “Alt-Liedberg” erst suchen muss.

Es sieht nur scherzhaft aus, wenn ich diese geologische Formation in der Überschrift verglichen habe mit dem ” Ayers Rock” (“Uluru“) der australischen Aborigines: Denn in den Urzeiten des heutigen Menschengeschlechtes sind alle UNGEWÖHNLICHEN Naturphänomene automatisch TABOOISIERT und geniessen Verehrung wegen einer (“vermuteten”) NUMINOSEN GEGENWART, ungefähr im Konstrukthorizont von Prana-Mana-Vorstellungen. Insoweit ist es signifikant, daß oben genannte Wikipedias nicht nur auf KELTISCHE Anwesenheit am Liedberger Quarzitstock hinweisen, sondern ausdrücklich auch ARCHÄOLOGISCHE BEFUNDE aus der Zeit der NEANDERTHALER von vor 100.000 Jahren erwähnen.

Ayers Rock – Uluru, Australien, Heiligtum- Taboo-Platz der Aborigines

So, damit sind wir fertig hier.

Äh, vielleicht doch nicht ganz fertig! Denn: Die Umgebung von Liedberg wird als Rückzugszone des EBURONENSTAMMES bezeichnet, nachdem dieser von Julius Caesar besiegt worden war, was allen, die noch den Feldzugsbericht des “Bellum Gallicum”  des Gaius Julius Caesar  im originalen Latein lesen mussten, eventuell noch schwach erinnerlich sein könnte, vorausgesetzt, man gehört noch zu denen, die den Bellum Gallicum nicht nur in EINZELKAPITELN und TEILWEISE gelesen haben, sondern die ihn WIRKLICH und TATSÄCHLICH GANZ DURCHLESEN mussten!

Und weil es so schön ist, bringe ich noch einige youtube-videos, just for fun zum genußvollen Anschauen!

Wie gesagt: Ich wundere mich schon etwas, daß alles so hübsch romantisch “zurechtgemacht” ist, daß aber offensichtlich  “touristisch Tote Hose” herrscht … und weit und breit keine Japaner und Amerikaner zu sehen sind, die Devisen in die Kassen bringen …

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Follow up  20.05.2018

Irgendwo im Lokal-TV schnappe ich auf, daß in SCHLOSS GYMNICH in ERFTSTADT aktuel ein Gerd Overlack der Eigentümer geworden ist. Wir erinnern kurz: Schloss Gymnich war einmal ein Gästehaus der Bundesregierung, als Bonn Hauptstadt war, dann wurde Schloss Gymnich sehr bekannt als zeitweises Domizil der sogenannten “The Kelly-Family“, der “Musik-Family” aus Irland. Gerd Overlack, Betreiber von Schloss Eberstein in Baden-Würrtemberg, Kreis Rastatt Nordschwarzwald , ist seit 2012 auch Eigentümer von Schloss Gymnich. Ob er verwandt ist mit Peter Overlack, dem neuen Eigentümer von Schloss Liedberg, konnte ich  auf die Schnelle nicht feststellen.

Buike Science And Music

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About bbuike

- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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