335 Jahre Krieg: Scilly Inseln gegen Holland, Friedensvertrag 1986 – Exkurs: Uraltverträge

In dem Fernsehquiz “Wer weiß denn sowas” mit dem Moderator Kai Pflaume wurde kürzlich behauptet: Die Scilly-Inseln befanden sich mit den Niederlanden in einem 335-jährigen Krieg, der 1986 durch offiziellen Friedensvertrag endete.

Wenn ich solche Stories höre, dann glaube ich es einfach nicht und will BELEGE.

Mein erster Schock bei der Nachrecherche: Die Scilly- Inseln gibt es tatsächlich und sie liegen am Ärmelkanal / English Channel an der äussersten südwestlichen Ecke der Grafschaft Cornwall. Es handelt sich um 55 Inseln, von denen sechs bewohnt sind, man kann sich denken mit relativ wenigen Menschen.

(aus Wikipedia)

Allerdings hat die Inselgruppe der Scilly-Inseln einen territorialen Sonderstatus als “unitarian authory sui generis”, was man normaleweise übersetzen könnte ungefähr mit “kreisfreie Stadt”, was aber im Falle der Scillys durch den Zusatz “sui generis” eine Art “halbstaatliche Autonomie als eigenständiges Territorium” bedeutet oder bedeuten könnte. Ich blicke da nicht ganz durch, würde aber vermuten, daß der territoriale Status der Scillys ein bischen ähnlich ist dem Sonderstatus der Isle of Man (noch  aus der Zeit der NOWEGISCHEN INSELKÖNIGREICHE rund um die britische Hauptinsel herum).Wenn man es so sehen wollte, dann wird auch “irgendwie erklärlicher”, daß zwischen Holland und den Scillys seit 335 Jahren ein KRIEG herrschte, denn falls dieser geherrscht hat – was umstritten ist – , dann würde dies erfordern, daß er von einer TERRITORIALEN AUTORITÄT erklärt oder angefangen worden ist. Villeicht könnte man auch sagen: Die Scillys sind ein Sonderterritorium mehr oder weniger direkt unter der englischen Krone und außerhalb des regulären Staatsverbandes des Vereinigten Königreichs (United Kingdom) – oder etwas ähnliches.

Nach diesen Vorbereitungen können wir jetzt besser  die folgende Wikipedia – Auskunft genießen.

Zitatanfang Wikipedia: “Während des Englischen Bürgerkrieges wurden die Anhänger der Monarchie von den Britischen Inseln verdrängt. Die königstreue Marine zog sich daraufhin auf die Scilly-Inseln zurück, die der Herrschaftsbereich des Royalisten Sir John Grenville (1643–1701) waren. Nach Kämpfen forderte der niederländische Admiral Maarten Tromp, der mit seinen Schiffen vor Scilly ankerte, am 30. Mai 1651 als Ausgleich für die Piraterie Reparationen von den Royalisten. Da er keine zufriedenstellende Antwort erhielt, erklärte er daraufhin den Krieg. Noch im Juni musste die königstreue Seestreitmacht jedoch gegenüber Admiral Robert Blake kapitulieren, der die Inseln für die Parlamentsarmee eroberte. Die niederländischen Schiffe vor Scilly zogen ab, ohne selbst Kriegshandlungen aufgenommen zu haben. Auf eine Anfrage des Historikers und Ratsvorsitzenden der Inseln, Roy Duncan, bei der Londoner Vertretung der Niederlande 1985 wurde von deren Seite bestätigt, dass sich Scilly offiziell noch im Kriegszustand mit den Niederlanden befinde. Am 17. April 1986 unterzeichneten Duncan und der Botschafter Rein Huydecoper auf den Scilly-Inseln einen Friedensvertrag. Man sprach damals vom Dreihundertfünfunddreißigjährigen Krieg (1651–1986). Kritiker wie der Lokalhistoriker Rex Lyon Bowley wenden ein, dass es sich bei dem angeblichen Krieg um einen Mythos handle. Tromp habe keine Vollmacht besessen, den Kriegszustand zu erklären. Ein derartiger Schritt habe vermutlich auch nicht den außenpolitischen Interessen der Niederlande entsprochen. Selbst im Falle einer gültigen Kriegserklärung sei der Konflikt aber mit dem Ende des ersten englisch-niederländischen Kriegs am 5. April 1654 formell beendet gewesen.” Zitatende Wikipedia – source Artikel “Scilly Inseln”, Abschnitt “Geschichte” in Wikipedia GER URL https://de.wikipedia.org/wiki/Scilly-Inseln#Geschichte

Wir lernen also: Ja, tatsächlich, da hat es eine historische UNKLARHEIT bezüglich der Scilly-Inselterritorien gegeben, ob diese sich seit 335 Jahren IM KRIEGSZUSTAND mit Holland befanden, aber dieser Zweifel wurde dadurch ERLEDIGT, daß die Niederlande VORSICHTSHALBER und VORBEUGEND 1986 einen FRIEDENSVERTRAG geschlossen haben, was voraussetzen würde, daß die Scilly-Inseln auch einen TERRITORIALEN STATUS besitzen, der ihnen SELBSTSTÄNDIGE KRIEGS- und FRIEDENSSCHLÜSSE erlaubt.

So, eigentlich sind wir hier FERTIG mit diesem KURIOSUM.

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Aber da ist noch etwas: Es gibt nämlich überall auf der Welt  sogenannte URALT-Verträge, die kaum noch jemand kennt oder versteht, und die jeder neuen Staatsregierung in europäischen Ländern bei Dienstantritt vorgelegt werden – und zwar wegen des RÖMISCHEN RECHTSGRUNDSATZES: PACTA SUNT SERVANDA. VERTRÄGE MÜSSEN GEHALTEN werden.

Man kann sich deshalb leicht vorstellen, welche AUFREGUNG losbrach in ALLEN europäischen Aussenministerien, als der türkische Ministerpräsident Erdogan begann, fortgesetzt den VERTRAG VON LAUSANNE (1923, betrifft die Neuordnung der Türkei nach deren Niederlage im Ersten Weltkrieg an der Seite Deutschlands)  und den VERTRAG VON MONTREUX (1936, Meerengenvertrag, betrifft Seefahrtsrechte am Bosporus, Hellespont und in den Dardanellen) zu kritisieren.  Denn wenn der Präsident Erdogan damit durchkommt, dann werden sehr schnell noch VIELE andere Staaten in Europa EINWÄNDE GEGEN DIE VERTRÄGE der KONFERENZSERIEN von ungefähr 1919 – 1924 in VERSAILLES (und einigen anderen Konferenzorten) erheben, zum Beispiel Ungarn und andere damalige Kriegsverlierer.

Ein anderes bekannteres Beispiel für KONFLIKTE aus URALTVERTRÄGEN sind die von China so genannten “ungleichen Verträge” (1842-1943),

Mir fällt auch noch ein UARLTGESETZ ein, das BIS HEUTE RECHTSKRAFT besitzt, nämlich das SALISCHE ERBFOLGERECHT der sogenannten  LEX SALICA, die ungefähr 1000 Jahre alt ist.

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Wenn man so will, dann gibt es eine Gruppe von URALTVERTRÄGEN, welche schon seit JAHRTAUSENDEN DIE GESAMTE WELTGESCHICHTE  sozusagen “durcheinanderbringen”, nämlich die BUNDESSCHLÜSSE DES GOTTES ISRAELS mit seinem “auserwählten” Volk. Das waren FORMELLE VERTRÄGE, die auch nach antiker Verfahrensweise durch RITUELLE BEGLEITHANDLUNGEN, wie zum Beispiel die Errichtung eines Schem-Steines durch den Stammvater Jakob, juristisch und legal BEKRÄFTIGT wurden.

Die durch Bibel-TV bekannte Autorin und Forscherin Ruth Lapide hat kürzlich dagegen eingewendet, daß die “Auserwählung des Volkes Israel” derartig KATASTROPHALE “Nebenwirkungen” für das Volk der Hebräer hatte, daß sie, Ruth Lapide, gerne auf diese Art von “Auserwählung” verzichten könnte und nichts dagegen hätte, wenn einmal jemand anderes die Rolle des “auserwählten Volkes” übernehmen würde.

Frau Ruth Lapide, der ich an sich gerne zuhöre, obwohl sie von chassidischen Gruppierungen vielleicht nicht so positiv gesehen wird, übersieht allerdings eine KLEINIGKEIT, nämlich das Prinzip der “pacta sunt servanda” (Verträge müssen gehalten werden.). Man könnte also etwas salopp sagen: Mehrere Jahrtausende menschlicher Geschichte wären VÖLLIG ANDERS verlaufen, wäre es in dem HISTORISCHEN SONDERFALL ISRAEL nicht STÄNDIG zu VERTRAGSBRÜCHEN gekommen, die im Alten Testament oft und oft beschrieben werden als HUREREI (und damit Verstoß gegen die “eheliche TREUPFLICHT”, denn die Ehe ist an sich unter anderem ebenfalls ein VERTRAG, auch wenn das wenig romantisch ist!). Ruth Lapide wird es villeicht nicht gerne hören, aber ich sehe es nicht als große Verständnisschwierigkeit an, das VERSCHWINDEN der 10 Stämme, die Zerstörung des SALOMONISCHEN TEMPELS nach noch nicht einmal 150 Jahren und die fast unvorstellbar irrealen WANDERUNGEN von hebräischen Stammesgruppen (zum Beispiel die Wanderung der Chassidim von Holland nach der Ukraine und die dortige anschließende VERNICHTUNGSWELLE) als NEGATIVE KONSEQUENZEN WEGEN VERTRAGSBRÜCHEN zu “interpretieren”.

Klammer auf: Man hat in Israel offiziell anerkannt, die folgenden “verlorenen Stämme” (Achtung: dieser Wiki-Link bringt  konventionelle Infos, die hier nicht sehr weiter führen, die man aber kennen sollte, um nicht auf Blödsinn hereinzufallen!!), welche HEUTE an ganz und gar UNGLAUBLICHEN GEOGRAPHISCHEN ORTEN leben, nämlich jüdische Gruppen der Falascha oder “Beta Israel” (Haus Israel)  in ÄTHIOPIEN / Abessionien, die BNEI MENASCHE in den INDISCHEN BUNDESSTAATEN Manipur (Stadt: Churachandpur) und Mizaram, beide in der Grossregion ASSAM, das LEMBA-Volk, ursprünglich ausgewandert nach dem Yemen und von dort in ein heutiges Verbreitungsgebiet zwischen Südafrika, Malawi, Mozambique. Es gibt heute ein GENETISCHES MERKMAL, das angeblich einen ZIEMLICH ZUVERLÄSSIGEN NACHWEIS einer ABSTAMMUNG von AARON, dem Bruder des Moses, “beweist”, nämlich das sogenannte KOHEN-Gen, Suchwort “Aaron des Y-Chromosoms“, – Von diesen GENETISCHEN Verwandten der Hebräer und Juden sind zu UNTERSCHEIDEN einige SELTENE Fälle, wo Gruppen in historischer Zeit zur RELIGION des Judentums übergetreten oder konvertiert sind, die also keine BIOLOGISCHEN Hebräer waren, darunter insbesondere der sogenante “13. Stamm” der CHASAREN (ehemals in der Gegend des Asowschen Meeres nördlich der Krim) und die Abuyadaya in Uganda. – Es kann aber sein, daß diese Aufzählung UNVOLLSTÄNDIG ist, denn ich erinnere, daß “GERÜCHTE” über eine jüdische Abstammung von Hebräern auch irgendwo in West-Afrika existieren sollen, wo genau, habe ich leider vergessen. —  Ich bin an dieser Stelle etwas ausführlicher geworden, weil das Thema der “verlorenen Stämme Israels” ein MUSTERBEISPIEL dafür ist, daß wir alle UNZUREICHEND-UNVOLLSTÄNDIGE Raster-Konzepte über Geschichte haben, was uns aber gewöhnlich gar nicht richtig auffällt. Oder ist schon mal jemandem aufgefallen, daß es doch gar nciht sein kann, daß der grosse Tempel der Samaritaner  – die ein eigenes und anderes Altes Testament haben! -auf dem Berg Garizim (bei Nablus) – angeblich ein DOUBLE des Tempels von Jerusalem – also gleich GROSS und gleich BEDEUTEND! –  und die Tempelstätten in dessen Nachbarschaft, die kürzlich ausgegraben wurden, praktisch nie diskutiert werden? Da haben wir alle also RIESIGE BILDUNGSLÜCKEN! Auch die Hebräer selbst! Klammer zu!

Und wenn ich  über das VERTRAGSVERHALTEN von Hebräern im Alten Testament  argumentiere, kann ich natürlich nicht so blauäugig sein und übersehen, daß dieselbe Argumentation auch zutrifft auf die Geschichte des Christentums, welches sich selbst definiert als das “neue Israel”, also als eine Art “Nachfolgeorganisation” des Judentums. Auch die Christen BRECHEN FORTWÄHREND die VERTRAGLICHEN BUNDESSCHLÜSSE mit IHREM GOTT, so daß gegen sie DERSELBE VORWURF der GEISTIGEN HUREREI zu erheben wäre – und wir uns auch nicht über GÖTTLICHE STRAFEN für VERTRAGSBRUCH zu wundern brauchen.

Ich breche hier ab, weil wir plötzlich von einem kurzweiligen Kuriosum zu SEHR ERNSTEN Problemen vorgestoßen sind, von denen ich NICHT MÖCHTE, daß die neuen ANTISEMITEN und die CHRISTENTOTSCHLÄGER diese BENUTZEN und INSTRUMENTALISIEREN um neue “menschenmörderische VERFOLGUNGEN” anzuzetteln, was vielleicht übertriebener Optimismus ist, denn Antisemitismus und Christenverfolgung haben wir AKTUELL SCHON WIEDER, und zwar in etlichen Regionen!

Wir haben aber ungefähr GELERNT durch NEUES NACHDENKEN:

Wenn es KEINE TREUE zwischen Mann und Frau gibt, wenn es KEINE TREUE gibt unter Waffengefährten und wenn es keine TREUE gibt gegen GOTT, der von sich aus IMMER WIEDER NEUE BUNDESSCHLÜSSE angeboten hat, dann gibt es nicht nur PHILOSOPHISCH KEINE WAHRHEIT mehr (weil Treue und Wahrheit etwas vertrackt schon IN DER ETYMOLOGIE DER SPRACHEN zusammenhängen), sondern die GESAMTE WELTGESCHICHTE wird eine UNABLÄSSIGE KETTE VON NEGATIVEN KONSEQUENZEN AUS FORTWÄHRENDER SCHULDANHÄUFUNG durch Vertragsbrüche  AUF SEITEN DES MENSCHEN. Und dies würde auch auf Christen zutreffen, denn als Christus die ALTEN SCHULDSCHEINE ZERISSEN hat, da hat er uns ja keinen Freibrief ausgestellt, hinfort kräftig weiter zu sündigen, so daß also von daher Luthers “percca fortiter” eine ABZULEHNENDE, etwas bauernschlaue Methode ist, sich auf unzulässigen Schleichwegen GNADEN-(Geschenke) zu verschaffen.

Eine Rest-Frage habe ich aber: Es müßte Gott doch inzwischen klar geworden sein, daß Menschen niemals Verträge wirklich perfekt befolgen. Aber warum haben wir TROTZDEM all diese “Bundesschlüsse” der alten Zeit in Form von VERTRÄGEN? Sind vielelicht die ganzen VERTRAGSBRÜCHE bereits in Gottes GESAMTPLAN vorhergesehen und dort in einer BESTIMMTEN ART UND WEISE BERÜCKSICHTIGT, so daß TROTZDEM “göötliche Abischten” verwirklicht werden können?

Und da haben wir wieder eine von diesen Fragen, vor denen der Budhha gewarnt haben soll, daß sie UNMÖGLICHE Fragen seien, die bloß ABLENKEN von dem, was dem Menschen MÖGLICH ist und was er infolgedessen auch TRAINIEREN soll!

Buike Science And Music

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- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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