Ypern/Belgien-31 Juli 2017: Assymetrisches Europäisches Gedächtnis

Am 31. Juli 2017 wird in deutschem TV kurz berichtet von den allierten und britischen Memorials in Ypern – unter Beteiligung des englischen Kronprinzenpaares und von Prince Charles, sowie des belgischen Königspaares – , zu welchen auch der deutsche Außenminister, Siegmar Gabriel, geladen war.

Und damit sind wir auch schon bei den ASSYMETRIEN des europäischen Gedächtnisses, hinter welchen oft BLANKES NICHTWISSEN und BODENLOSE AHNUNGSLOSIGKEIT stecken:

a) Am 31. Juli 2017 wird der sogenannten DRITTEN YPERNSCHLACHT von Juli – November 1917 gedacht. Es hat aber insgesamt 4 Ypern-Schlachten gegeben, welche in Deutschland oft als “Flandernschlachten” bezeichnet werden.

Belege aus Wikipedia DE:

b) An der Ypernfront gab es nicht nur Sikh-Truppen aus Indien und aus anderen britischen Kolonien, wie Australien und Neuseeland,  sondern auch ein portugiesisches Expeditionscorps unter britischem Kommando.

Beleg aus Wikipedia DE:

Wenn man das Glück hat, und hat noch einen regelmässigen Geschichtsunterricht, dann wird einem in Deutschland und wahrscheinlich auch in England und Frankreich beigebracht zum Auswendiglernen: Im ERSTEN Weltkrieg gab es STELLEUNGSKRIEG mit MASSENHAFTEN  VERLUSTEN bei MINIMALEN Geländegewinnen und insgesamt eine FLEISCHWOLFTAKTIK mit RESSOURCEN-ERSCHÖPFUNGSKRIEG.  Daran anschließend wird einem dann beigebracht, daß Generäle verknöcherte Sturköpfe OHNE JEDE PHANTSIE und strategische Initiativen sind. Und daran anschließend wird dann in der deutschen “Szene” der “Freidensbewegten” “gefolgert”, daß man Frieden haben könne, sobald diese militärischen Sturköpfe abgeschafft seien und man berauscht sich an eigenen Sprüchen wie zum Beispiel: “Frieden schaffen ohne Waffen!” oder “Schwerter zu Pflügen”, was vielleicht eine viel bessere Idee wäre, wenn man heute in der Landwirtschaft noch den klassischen Pflug in ausreichender Menge benötigen würde!

Man ist als Lernender und Informationskonsument dann wahrscheinlich VERBLÜFFT, daß der Krieg an der deutschen und österreichisch-ungarischen Ostfront VÖLLIG ANDERS VERLAUFEN ist. und zwar OBWOHL die Kampfkraft der österreichsich-ungarischen Armee allgemein als MITTELMÄSSIG bis SCHLECHT eingeschätzt wurde.

Beleg aus Wikipedia DE zu Österreich-Ungarn:

Beleg aus Wikipedia DE, fast mit der Qualität einer Generalstabsanalyse, zu den preussisch-deutschen Aktionen im Osten:

Soweit ich im Augenblick studiert und gelernt habe, haben wir

  • das österreichische-ungarische FESTUNGSKONZEPT (Peschiera und Przemysl), das  erstaunlicherweise sogar seinen militärischen Zweck erfüllt hat,
  • das österreichisch-ungarische SCHMALSPUR-Eisenbahnsystem, mit dem RIESIGE MENGEN von TRUPPENTRANSPORTEN geschafft wurden, obwohl man überall Witze riß, daß die österreichische Eisenbahn an sich bald kollabieren müßte,
  • die russische MUNITIONSKRISE (KEIN Spaß: Beinahe hääte man die russsichen Truppen nach Hause schicken müssen, weil KEINE MUNITION mehr da war, welche pikanterweise von WESTALLLIIERTEN unter anderem wegen deren EIGENBEDARF nicht geliefert werden konnte!)

Ich weiß nicht, ob man aus diesen Wortmeldungen und diesem Material schon deutlich genug erkennen kann, was ich für die CHARAKTERISTIKA der deutschen Kriegführung IM OSTEN halte, nämlich a) eine schulbuchmässige Aufteilung in FELDZÜGE und und KAMPAGNEN und b) eine schulbuchmässige RAUMSTRATEGIE ausgedrückt in WEITEN und GROSSEN GEOGRAPHISCHEN BEWEGUNGEN und c) RELATIV WENIGE ZEITABSCHNITTE und FRONTABSCHNITTE  mit STILLSTAND in einem STELLUNGSKRIEG mit Schützengräben, massiertem Artilleriefeuer und Schlamm und schlechtem Essen und dem ganzen apokalyptischem Programm der Vorhölle!

Anders gesagt: Es muß dem DENKENDEN Abiturienten und dem mündigen demokratischen Staatsbürger ERKLÄRT werden, WARUM es im Ersten Weltkrieg an der Westfront einen STATISCHEN STELLUNGSKRIEG gegeben hat und an der Ostfront einen DYNAMISCHEN BEWEGUNGSKRIEG!

Asserdem grenzt es meines Erachtens in meinem Lernhorizont an ein WUNDER, daß das SCHWACHE und CHAOTISCHE Österreich-Ungarn überhaupt 4 Jahre durchgehalten hat und sogar MILITÄRISCHE TEILSIEGE erringen konnte, darunter ganz besonders bemerkenswert die deutsch-österreichische VERTEIDIGUNG der SÜDALPENFRONT gegen 12 Isonzo-Schlachten  der Italiener  (2 österr. Piaveschlachten) und zum Schluß auch der Engländer, Amerikaner, Tschechen und Franzosen (Schlacht Vittorio Veneto).

Belege aus Wikipedia DE:

Ich vermute, das damit die FUNDAMENTALE ASSYMETRIE des “europäischen Gedächtnisses” bezüglich der WAHRNEHMUNG der WESTFRONT und der OSTFRONT im Ersten Weltkrieg DEUTLICH herausgearbeitet ist. Ausserdem sollte deutlich geworden sein die Rolle Österreich-Ungarns als  BEGABTER “Überlebenskünstler” in an sich aussichtsloser Lage.

Jetzt fehlen nur noch DETAILS, die nicht nur eine ASSYMETRIE des europäischen Gedächtnisses belegen, sondern ein VERGESSEN von Details, die man besser nicht vergessen sollte:

  • ERSTENS hat die heutige österreichische Militärgeschichtsschreibung DEUTLICHST herausgearbeitet, daß die k.u.k. österreichisch-ungarische Armee im Ersten Weltkrieg ein INSTRUMENTARIUM entwickelt hat, welches von den deutschen NAZIS nur wenig später “industriell perfektioneirt” worden ist, nämlich zum “Vernichtungs-Management” von soziologisch als “Randvölker” empfundenen Ethnien, was also bei gegebener historischer Situation durchweg die SLAWISCHEN VÖLKER waren, welche die DEUTSCHÖSTERREICHISCHE FÜHRUNGSSCHICHT mit einer “genozidalen Tendenz” behandelte.
  • Zweitens hat in der deutschen Geschichtsschreibung gewiß der Generalfeldmarschall von Hindenburg in Tannenberg/Ostpreussen (polnisch: Grundwald) gesiegt. Man könnte aber vielleicht einmal Alexander Solshenitzin “August 1914” lesen und wird dann sehr verblüfft erfahren, daß in der RUSSISCHEN Kriegsgeschichte, die Deutschen die Schlacht von Tannenberg FAST VERLOREN hätten, so daß also der “glorreiche deutsche Sieg” in Tannenberg a) glückliche ZUFÄLLE hatte und b) ein SEHR KNAPPER Sieg gewesen sein könnte!
  • Drittesn wäre der gesamte erste Weltkrieg möglicherweise TOTAL ANDERS VERLAUFEN, wenn der ZARISTISCHE GENERALSTAB dem jungen Talent BRUSSILOW erlaubt hätte, seine GEFECHTSIDEEN und KAMPAGNEN-Organisation gegen Österreich-Ungarn FORTZUSETZEN. Die österreichisch-ungarische Armee war in der Tat durch Brussilow “derartig ins Laufen” gekommen, daß  die Deutschen eingreifen mußten und erst die an sich UNBEGREIFLICHE ABLÖSUNG Brussilows vom Kommando ermöglichte, daß der Krieg VERLÄNGERT werden konnte!

Und warum erzähle ich das alles? Nun, wenn wir nicht verstehen, WIE der menschliche GEIST ARBEITET und FUNKTIONIERT, wie das menschliche GEDÄCHTNIS “auswählt”, “vergißt” und “gewichtet”, dann haben wir keine gute Chancen, jemals ein VERNÜNFTIGES PROCEDERE DER KRIEGSVERHINDERUNG zu entwickeln.

Ganz besonders KONTRAPRODUKTIV erscheint mir für KRIEGSVERHIDNERUNG die Beobachtung einer Tendenz zu einem ANTISLAWISCHEN RESSENTIMENT in WESTEUROPA, angefangen bei der k.u.k österreichisch-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg, über Churchills Intervention im russsichen Bürgerkrieg 1920 mit fast 1 Million Mann verbündeten Truppen und bis hin zu den GENOZIDALEN VERNICHTUNGSRATEN der nazi-deutschen Kriegführung im 2. Weltkrieg mit 20% Verlust der Totalbevölkerung Polens und 20% Verlust der Totalbevölkerung Russlands.

Falls es einen solchen “atlantisch-antislawischen” Affekt geben sollte, dann wäre ein solcher für GEBILDET sein wollende EUROPÄER nur schwer zu verstehen, denn die deutsche Hanse, die deutsche Ostkolonisation des Mittelalters und sogar noch die österreichisch-ungarische Besetzung Galiziens mit anschließender Installation des österreich-ungarischen Bildungswesen und der k.u.k Staatsverwwaltung zeigen auch Möglichkeiten zu ERFOLGREICHEN SYMBIOSEN zu BEIDERSEITIGEM NUTZ und FROMMEN auf, nämlich durch die seit alters her gut bekannten Instrumentarien des Völkerfriedens als da wären, BILDUNG, und SPRACHEN, und HANDEL und WANDEL!Wir wissen aber, daß MENSCHEN nicht nur ein durchaus PRBLEMATISCHES “ASSYMETRISCHES GEDÄCHTNIS” haben, sondern möglicherweise auch HISTORISCHEN SCHRANKEN und BEGRENZUNGEN unterliegen, wie sie zum Beispiel sichtbar werden in dem bekannten ANTAGONISMUS zwischen WESTROM und OSTROM, der IMMER NOCH ENERGIE hat, obwohl die meisten Menschen in Westeuropa wahrscheinlich nicht einmal mehr begreifen könnten, MIT WELCHEM PHILOSOPHISCH-RELIGIÖSEN KONFLIKT er begann, nämlich mit der Einfügung eines klitzekleinen Wörtchen des “filioque” in das heutige katholische und weströmische Glaubensbekenntnis! (Klammer auf: Dieses kleine Wort war natürlich nur der INDIKATOR dafür, wie WEIT sich die LEBENSWEISEN in Ostrom und Westrom in ungefähr 700 Jahren AUSEINANDER ENTWICKLET hatten, unter anderem durch die DYNAMIK der Völkerwanderung …)

Vielleicht sollte der Historiker das stark festhalten: In der HEUTIGEN “westeuropäisch-amerikanischen” MENTALITÄT hält man VIELES für MACHBAR DURCH MENSCHEN, was man aber traditionell in dem “oströmischen Kontext” als DER BLOSSEN MACHBARKEIT DURCH BEGRENZTE MENSCHEN ENTZOGENES MYSTERIUM DER GESCHICHTE auffassen würde, welches ist ein TEIL der MYSTERIEN GOTTES, die NICHT MEHR im POLITISCH-MILITÄRISCHEN KALKÜL zu berücksichtigen, möglicehrweise der STRATEGISCHE FUNDAMENTALFEHLER unserer heutigen GEGENWART sein könnte, wofür ich allerdings mehr Zustimmung erwarten würde in OSTEUROPA und WENIGER Zustimmung in Westeuropa  oder den USA.

Zum Schluß darf ich darauf hinweisen, daß nicht nur das menschliche Gedächtnis SEHR problematisch arbeitet, sondern der menschliche GEIST AN SICH, der sogar der WAHRNEHMUNGSVERZERRUNG unterliegen kann.

So sagt man bildungsbürgerlich so neunmalklug in Deutschland, daß der Erste Weltkrieg der Ausdruck sei einer ANGEBLICHEN “deutsch-französischen ERB-Feinmdschaft”, wobei man übersieht, daß speziell der Erste Weltkrieg letztlich DOMINIERT wird von ANGELSÄCHSISCHEN INTERESSEN Großbritanniens und der USA. Ich aber wage einzuwenden: für den Preussen Bismarck, weit im Osten, mag es nach einem “deutsch-französischen Problem” ausgesehen haben, aber hier in der kölnischen Gegend, wo VIELE Leute noch heute französische Namen und französische Verwandte haben, konnten die SEHR ALTEN deutsch-fanzösischen SYMBIOTISCHEN Beziehungen  – unter anderem zu den flandrischen Gebieten – nicht einmal durch die napoleonsichen Kriege und Besatzungen erschüttert werden.

Wie soll ich sagen: Die Problematik des menschlichen Geistes besteht nicht nur darin, daß er Weltkriege “erzeugt” und den Typ der “Ypernschlachten”, deren wir noch nach vielen Jahrhunderten SCHAUDERND und GRAUSEND uns erinnern werden, sondern das eigentliche Problem scheint mir zu sein, daß der menschliche Geist derartig SCHLECHT arbeitet, daß er auch nach der 3. Ypernschlacht, deren wir gestern gedachten, immer noch nichts ÄNDERTE. Und in meiner Sichtweise bei der Arbeitsweise meines historischen Lernens ist besonders erstaunlich, daß das VERÄNDERUNGSPOTENTIAL, das der  damals relativ junge russsische Generalstabsoffizier BRUSSILOW “neu entwickelt” und soga schon getestet hatte, NICHT IN SEINER KRIEGVERKÜRZENDEN POTENZ erkannt worden ist.

Seit den Sumerern sah man das Leben des Menschen aufgespannt zwischen “Schicksal” und “Bestimmung”: Ich habe keine Indizien, daß dies in Ypern anders war!

Buike Science And Music

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- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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