Jüdische Synagogalmusik mit Kantor und Organist aus Budapest in St. Antonius Düsseldorf-Oberkassel -9.Nov.2016

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St. Antonius, Düesseldorf-Oberkassel, seltene Vogelperspektive

Ein geradezu PHANTASTISCH-IRREALES Konzert hat unter Beteiligung der neuen Hauptorgel  in Düsseldorf-Oberkassel in der Kirche St. Antonius am Barbarossaplatz – nicht zu verwechseln mit St. Antonius am Fürstenplatz! –  stattgefunden, und zwar  Mittwoch 09. Nov. 2016 (zum Gedenken an die Opfer der Reichsprogromnacht vom selben Tag im Jahre 1938 in NAZI-Deutschland), ein Konzert, das man heutzutage wahrscheinlich nur ein einziges Mal im Leben geboten bekommt.

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St. Antonius – Düsseldorf Oberkassel

youtube-video: Orgelprojekt, St. Antonius, Düsseldorf-Oberkassel

youtube-video. Orgelprojekt St. Antonius Düsseldorf-Oberkassel

dusseldorf-alte-synagoge-kasernenstrase-innenAlte Synagoge, Düsseldorf, Kasernenstraße, Innenzustand 1873

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Alte Synagoge Düsseldorf, gebaut 1792, umgebaut 1873, neoromanisch erweitert 1903

Der ORT des Konzertes war übrigens nicht zufällig gewählt worden, denn die Kirche St. Antonius in Oberkassel hatte DENSELBEN Architekten, der vor ungefähr 120 Jahren auch die alte Synagoge von Düsseldorf gebaut hatte, wie übrigens auch die große Synagoge von Budapest – mit 3000 Sitzplätzen – von einem kaiserlich-königlichen Architekten aus Wien, der ansonsten Kirchen baute, entworfen worden war, und zwar in einem “nachempfundenen maurischen Stil”.

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Budapest, Grosse Synagoge

Damit habe ich schon verraten, woher die beiden Musiker des Abends kamen, nämlich aus Budapest. Da gäbe es viel zu erzählen aus  anderen Zeiten, wo andere Königreiche waren und Könige, und wo die Menschen ganz anders lebten, was ich weglasse. Was ich aber nicht weglassen kann, ist die EXTREME SELTENHEIT einer ORGEL (der “Goj”) in einer JÜDISCHEN SYNAGOGE – und dazu riskieren wir einen Blick IN die Grosse Synagoge von Budapest!

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Budapest, Grosse Synagoge, Innenansicht mit Thoraschrein und Orgelspieltisch

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Und diese Orgel der großen Synagoge in Budapest hören wir uns einmal an – und zwar mit einem Stück, das auch in Oberkassel gespielt wurde und das im Progamm ausgezeichnet war als: Gabor Lisznyay-Szabo: Unszane tajkef (“Tag des Jüngsten Gerichts” für Versöhnungsfest und Neujahr). Wir hören sogar eventuell  LASZLO FEKETE und PETER DOBSZAY! Dieses Hörbeispiel ist für den ahnungslosen Westeuropäer, also dich und mich, insbesondere deshalb instruktiv, weil wir einige “orientalische Skalen” bemerken, aber ansonsten eine gewisse Art von “adaptierter spätromantischer Akkordik und Harmonik”, was dann in der Tat auch zu der DISPOSITION der Orgel passt, die eben gegen Ende des 19. jahrhunderts am “fin de sciecle” gebaut wurde. Nur der hier zu hörende Chor fehlte in St. Antonius, Oberkassel.

Das ist übrigens nicht die einzige BEMERKENSWERTE Orgel in Budapest –  natürlich nicht! –  aber weil ich es zufällig irgendwann einmal erzählt bekommen habe, darf ich auf eine HAUSORGEL hinweisen, die ebenfalls gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Budapest in ein Stadtpalais eingebaut worden ist, und zwar von der deutschen Orgelbaufirma Walcker, auf deren Webseite man dazu auch mehr Informationen findet.

Ja, und dann gibt es in Budapest im Szent.Anna Templom – https://sites.google.com/site/zeneinaptar/ – eine große barocke Orgel, wo  man drumherum einen kompletten Ausbildungs- und  Konzertbetrieb organisiert hat – und das weiß ich so genau, weil ich in youtube einmal  den Kanal von Barnabas Balasi – https://hu.wikipedia.org/wiki/Balasi_Barnab%C3%A1s   und youtube https://www.youtube.com/channel/UCATUKlFMwE-Bq7XyuQey5-w  – gefunden habe, der ungefähr so alt ist, wie der Organist, den ich gleich vorstelle, nämlich PETER DOBSZAY (Orgel) – homepage http://www.peterdobszay.com/und youtube (auch als Dirigent des großen Repertoires)   https://www.youtube.com/user/PeterDobszay – , der mit LASZLO FEKETE (Kantor)  nach Oberkassel gekommen war.

Wie soll ich sagen: Das große Problem in Polen, Ungarn und der Ukraine ist, daß  es  dort SCHRECKLICH VIELE hochbegabte JUNGE Musiker gibt, vielleicht weil man dort noch nicht das niveaulose deutsche Fernsehprogramm hat!?

So, den Organisten, der weitgehend auf der Orgelempore unsichtbar blieb, findet man unter “Peter Dobszay” in vielen Hörbeispielen in youtube. Folgt also jetzt die Vorstellung des Kantoren Laszlo Fekete (Cantor) , wo man übrigens in Wikipedia auf Fussballspieler und einen bekannten Kraftsportler des gleichen Namens verwiesen wird.

Fekete Laszlo Cantor “Veal Yedey”

Fekete Laszlo (Cantor): Kol Nidrei (Totenklage, auch im Düsseldorfer Konzertprogramm und zwar als Orgel-ARRANGEMENT/BEARBEITUNG durch den Cellisten Peter Freiman, Arad/Ungarn  des “Kol Nidrei” von Max Bruch, URAUFFÜHRUNG in St.Antonius, Düsseldorf-Oberkassel)

Fekete Laszlo (Cantor): “ain Yidl mitn fidl” ( JIDDISCHE KLETZMER-Musik zum Schabbes   – aus dem Mittelhochdeutschen abgeleitete Sprache der Ashkenasim und insbesondere der CHASSIDIM in RUTHENIEN, in Lodomerien und Galizien, in der ehemaligen Karpato-Ukraine und anderen Territorien, die ehemals unter der UNGARISCHEN KRONE zur Zeit der HABSBURGER-Monarchie waren.)

 

Der Abend schloß mit dem “ain ma`amim”, dem “I believe”: Ich glaube, daß der Messias in mein Leben kommen wird und ich werde Tag für Tag auf ihn warten! (Arrangement Charles Gross – A. Winternitz) Und wenn die Christen Recht hätten, daß das zweite Kommen Jesu Christi mit kosmischem Donner und Blitz sein wird, dann wird man den Messias dann wohl auch DEUTLICH ERKENNEN …

Bevor es so weit ist, haben wir alle noch einen Haufen ARBEIT vor uns:

  • eine jüdische Rückwanderung nach dem kontinentalen Westeuropa ist zu organisieren, die teils ganz aberwitzige Details zeigt,  zum Beispiel eine jüdische Synagoge in Neuss, in der hauptsächlich  UKRAINISCH gesprochen wird;
  • hebräische “Events” in Deutschland benötigen weiterhin “tough security” aus den verschiedensten offenkundigen und nicht so offenkundigen Gründen, was mich selbst, nebenbei gesagt, ernsthaft NERVT  – ebenso übrigens wie diese ganzen frei herumlaufenden  Alt- und Neu-NAZIS;
  • das Musterbeispiel eines jüdischen Gymnasiums in Düsseldorf muß Nachahmung woanders finden, zum Beispiel in Frankfurt.

Ich bin am Ende dessen angekommen, was ich zu dem EXZEPTIONELLEN Konzert auf INTERNATIONALEM MUSIKNIVEAU in St. Antonius, Düsseldorf-Oberkassel sagen wollte, denn ich kann hier UNMÖGLICH erzählen von der SONDERROLLE BUDAPESTS für das jüdsiche Leben in Europa, von der Ausstrahlung Budapests bis zu den Chassidim in der heutigen Westukraine, der Karpato-Ukraine, nach Ruthenien und nach Südpolen, und ich kann auch nicht erzählen von der “apostolischen Majestät” des habsburgischen Kaisers Franz Josef in Wien, der bei einem Besuch im heiligen Land von den dortigen jüdischen Gemeinden ganz außerordentliche Ehrungen erfuhr. Wen die GESCHICHTE interessiert, der kann dazu einiges finden in Ephraim Kishon, in Biographien des weltberühmten Mathematikers Paul Erdös und in  Satinover, Jeffrey, Die verborgene Botschaft der Bibel, Informationen also, die “nicht jeder nicht weiß”.

Worauf ich aber durchaus hinweisen möchte, ist, daß wir bei aller Nostalgie die HEUTIGEN REALITÄTEN im Blicke behalten, denn die GEWALTHERRSCHER und die Soldatenstiefel haben Europa SO STARK VERÄNDERT, daß es niemals mehr wieder da anknüpfen kann, wie es einmal war – und außerdem haben wir immer noch ein derartiges Entwicklungstempo, daß die Jugend sehr wahrscheinlich mit den Mentalitäten der ALTEN nicht mehr viel  anzufangen weiß:

  • Es gibt heute KEINE 30% Hebräer in Tessaloniki mehr.
  • Es gibt heute KEINE 3 Millionen Juden in einem Polen mit TOTAL NEUEN Grenzen  mehr und auch keine 30% ORTHODOXE Christen , aber Hunderttausende einfache Menschen, die man gegen ihren Willen aus Bjelarus und der Ukraine bis nach Slaskia und Dolno-Slaskia GEZWUNGEN hat.
  • ABER es gibt wieder, daß man zum “Rabbi Nachman von Bratzlaw” (heutige Ukraine)  fährt, um die SCHWERE KUNST zu lernen, FRÖHLICH zu sein, auch wenn da ein wenig “latenter Antisemitismus” sein mag …
  • Aber es gibt in Deutschland VIELE und ALTE   jüdische Friedhöfe, von denen ich selbst durch mein Konditionstraining mit dem Fahrrad ungefähr 5 in der Nachbarschaft von Düsseldorf-Oberkassel und Neuss kenne, über die ich aber nichts weiter sagen möchte, denn nicht alle scheinen zu wissen, wie man sich auf einem Friedhof zu benehmen hat!
  • Und seit den unsäglichen Büchern von Thilo Sarrazin hat sich vielleicht herumgesprochen, daß sogar in Deutschland und sogar HEUTE ungefähr 10% der Gesamtbevölkerung “einige jüdische Gene” haben, ganz zu schweigen von Frankreich, wo bis heute die ganze Gesellschaft durchdrungen ist vom sogenannten “juif inconnu”. (Ein Beispiel: Es gab einen französischen Botschafter am Zarenhof in Russland mit dem klangvollen Namen “Maurice Paleologue”, der sich sehr viel auf diesen Namen eines alten byzantinisch-griechischen Kaisergeschlechtes einbildete. Die Familie war jedoch aus RUMÄNIEN und ich VERMUTE ETWAS GANZ ANDERES, nämlich daß der Name von HEBRÄERN AUSGESUCHT wurde, um NACHTEILE in einem “schwierigen sozialen Umfeld” in Rumänien zu VERMEIDEN, wobei unter “Nachteil” auch “Gefahr von Pogromen” zu verstehen ist.)

Bevor man nun reinweg melancholisch werden möchte, daß niemand Sterblichgeborener die Rätsel der Geschichte entwirren kann, schließe ich mit einem von diesen berühmten jüdischen Witzen:

Expresszug Budapest-Wien, vor 120 Jahren. Vier Herren in einem Raucher-Abteil kommen miteinander ins Gespräch und stellen sich vor:

  • Der Erste: “Doktor Kemeny!”
  • Der Zweite: Hofrat Kövesy.”
  • Der Dritte: Baron von Korony.”
  • Der Vierte: “Ich heiße auch Kohn!”

Was  soll heißen “Kohn” und sonst nichts?

Denn es heißt vollständig “KOHEN”!

  • Und warum antwortet ein Jude immer mit einer Frage? Jo mei, warum sollte er nicht mit eienr Frage antworten?

—xxx—

Nach einer Zugabe in deutscher Sprache von “Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre” (Text: Gellert/Musik: Beethoven)  erhob sich das Publikum zu längerem Applaus im Stehen, offensichtlich etwas benommen von der “EXOTIK” einer Musik, die rein äußerlich auf europäischen Instrumenten in europäischer Akkordik und Harmonik daherkam, aber eben doch ihren Ursprung in dem alten TEMPELGESANG des Tempels von Jerusalem nicht verleugnen konnte, zum Beispiel durch gesangliche Mikrointervalle.!

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich bin schwer beeindruckt!

Und: MEHR DAVON, bitte!

Oder haben jene recht, die bei den jungen Generationen “nach uns” festgestellt zu haben meinen, daß “das europäische Interesse nachläßt”, weil es zu “mühsam” ist, weil es “geistige Anstrengung” erfordert?! Denn man will beobachtet haben, daß heutige französische und deutsche Austauschschüler “irgendwie ZU FAUL sind”, die jeweilige Fremdsprache, die sie als Schulfach haben, auch zu gebrauchen. Ein Referent von einem Studentenprogamm in Krakau berichtete kürzlich im Polnischen Institut Düsseldorf, daß keineswegs teils lächerliche FREMDWAHRNEHMUNGS-STEREOTYPE von früher  heute noch das Hauptproblem seien, sondern das AUSBLEIBEN VON INTERESSE, so daß sozusagen  keine Reibung entsteht, weil gar kein Widerstand da ist, sondern eine Art “geistiges VAKUUM”, dem gar nicht auffällt, was für eine VERARMUNG es ist, wenn man heute sagt, daß es “nicht mehr MACHBAR sei”, was um 1990 in der damaligen Aufbruchsstimmung machbar war, wo wir hier in Neuss zum Beispiel 5 Chöre aus PSKOW/Pleskau mit je 5 eigenständigen Chortraditionen bewundern konnten!

Wie ARMSELIG, zu hören: KULTUR SEI NICHT MEHR MACHBAR!

Dem sei es, wie es will: Für meine Generation ist und bleibt EUROPÄISCHE Verbundenheit SELBSTVERSTÄNDLICH, vielleicht auf eine andere Art als wie für die Generation der Kriegsteilnehmer, aber genauso selbstverständlich wie in all den Jahrhunderten VOR Hitler und VOR Stalin und VOR der britisch-amerikanischen Finanzhegemonie! Für mich ist es WICHTIG, daß ich zum Beispiel in k-tv SPANISCHE GESCHICHTSPROFESSOREN hören kann, die manches SEHR VIEL ANDERS sehen als hier in Deutschland! Für mich ist und bleibt Ungarn genauso Europa wie Moldawien und das Huzulenland oder die Goralen in der Hohen Tatra oder Sanok in den Beskidi, steht mir sogar emotional näher als die ehemalige  preussisch-protestantische Verwaltung im katholischen  Rheinland und Westfalen  und zwar keineswegs nur wegen des Tokaier, des “Königs der Weine und des Weins der Könige”!

Buike Science And Music

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About bbuike

- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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