NEUE Militärpolitik des deutschen Bundespräsidenten: Offener Brief

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Pfarrer Gauck,

sehr geehrter Bundestagsabgeordneter und Rechtsanwalt Dr. Gysi!

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1. Mit „Staunen und mit Grauen“ lese ich nicht nur von einer eventuell gewöhnungsbedürftigen Anrede gegenüber dem Herrn Bundespräsidenten, die bislang völlig unvorstellbar schien, sondern ich höre auch, daß dies jetzt justiziabel sei, falls der Bundespräsident dazu die Ermächtigung erteilt. Da ich kein Politiker bin, sondern einige Jahre ziemlich erfolg – und halb interesselos (und ohne Abschluß) – deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft studiert habe, drängt sich mir im hier gegebenen aktuellen Fall sogleich jene Szene aus dem „Wilhelm Tell“ auf, wo man einem Hut der Staatsautorität, die gar nicht leibhaftig anwesend war, Respekt und Gruß erweisen mußte, und zwar unter erheblicher Strafandrohung für Leib und Leben für den Fall der Widersetzlichkeit. Und damit überlasse ich die „unselige“ Wortprägung von einem „widerlichen Kriegstreiber“ der Beurteilung durch die Staatsorgane, die natürlich das Schauspiel „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller viel besser kennen als ich.

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2. Ich ergreife jedoch diese Gelegenheit, um mich jenen anzuschliessen, die den FUNDAMENTALEN KURSWECHSEL in der deutschen Militärpolitik und auch in der Inanspruchnahme des Staatsoberhauptes für Zwecke der deutschen Aussenpolitik MERKWÜRDIG und sogar DISKUSSIONSWÜRDIG empfinden, welcher nach meiner persönlichen Meinung sichtbar geworden ist in der völlig BEISPIELLOSEN Rede des Bundespräsidenten auf der Münchener Konferenz für Sicherheitspolitik von Januar/Februar 2014.

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3. Ich frage mich seit dieser Rede, in WAS FÜR EINEM LAND ICH EIGENTLICH LEBE, wo die GESAMTE POLITISCHE KLASSE Deutschlands den ZEITPUNKT FÜR DEN EINSATZ zu einer FUNDAMENTALEN STAATSPOLITISCHEN DISKUSSION GANZ OFFENKUNDIG VERPASST hat – ohne sich zu schämen!

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4. Abschließend erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, daß es mir eine Diskrepanz anzuzeigen scheint, wenn einerseits mit STARKER Geste auf höchstem internationalen Parkett eine doch SEHR ERSTAUNLICHE NEUE DEUTSCHE MILITÄRPOLITIK durch den Bundespräsidenten – und nicht durch die üblicherweise als befugt angesehenen Staatsorgane – formuliert worden ist, andererseits aber fast gleichzeitig eine STREITKRÄFTEREFORM stattfindet, wo die Oberbefehlshaberin sich publikumswirksam mit der Eröffnung von Kindertagesstätten beschäftigt, damit die Armee „familienfreundlicher“ wird und ausserdem, wie man hört, schlußendlich 600 deutsche Panzer im aktiven Dienst verbleiben sollen, nachdem man früher von theoretisch mindestens 2000 und mehr Kampfpanzern – also keineswegs umgebauten „familienfreundlichen“ Kinderwägen – ausgegangen war.

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5. Ich wage gar nicht, zu fragen, inwieweit man solche Beobachtungen überhaupt noch Ernst nehmen kann, möchte aber abschließend eine womöglich noch fundamentalere Beobachtung zur Diskussion zu stellen: Wenn wir nämlich nicht nur 600 Kampfpanzer und familienfreundliche Kasernen haben, sondern auch eine hochmögende DEMOKRATISCHE STAATSTHEORIE, dann bitteschön fragt sich denn doch, WARUM DIE RECHNERISCHE MEHRHEIT in Deutschland PARTOUT NICHT REGIEREN DARF. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch gerechnet haben sollte, aber nach meinen Kalkulationen haben wir bundesweit – ausserhalb Bayerns – eine SEHR STABILE ROT-ROT-GRÜNE MEHRHEIT, nicht erst seit heute, sondern schon seit längerem.

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In der Hoffnung, Ihnen mit diesen Überlegungen gedient zu haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüssen:

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Buike Science And Music

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PS:

Vielleicht staunt man, warum ein KONSERVATIVER sich für LINKE einsetzt?

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Nun, es ist gute DEMOKRATISCHE Tradition und gehörte zur ganz selbstverständlichen politischen Streitkultur, daß erstens DIE GEGENSEITE GEHÖRT WERDEN MUSS – wer es brutal Lateinisch mag: AUDIATUR ET ALTERA PARS, was an sich ein JURISTISCHER Grundsatz ist.

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Zweitens aber gilt die DEMOKRATISCHE THEORIE VON DER REGIERUNG DURCH DIE MEHRHEIT natürlich nicht nur, wenn die “eigenen Leute” die Mehrheit haben, sondern ganz besonders dann wenn der Gegner die Mehrheit hat!

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 Drittens ist ja im Augenblick über weite Strecken so, daß die POLITISCHE DEBATTE im Bundestag fast gar nicht mehr vorhanden wäre, wenn es keine Fraktion der LINKEN mehr gäbe. Dies bedeutet natürlich nicht, daß man dann gleich die WACHSAMKEIT gegen solche Erscheinungen wie Schalck-Golodkowski und STASI aufgeben muß.

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Viertens LEBT die ÖFFENTLICHE DISKUSSION davon, daß wir KEINE sozusagen “westdeutsche SOZIALISTISCHE EINHEITSPARTEI” aus SPD und CDU bekommen, wo die CDU schon “halb sozialistisch” geworden ist und die SPD herumläuft, als wäre sie mit Weihwasser getauft oder als hätte sie wie der Wolf bei Rotkäppchen jetzt lauter Kreide gefressen!

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- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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