Tannhäuser mit Hitlergruss und Gaskammer in Düsseldorf

Der Theaterskandal ist perfekt und die Rheinoper in Düsseldorf ist endlich wieder im Gerede: Der Regisseur Burkard C. Kosminski hat eine Tannhäuser-Inszenierung abgeliefert, wo nicht nur Hitlergruß und Gaskammer vorkommen, sondern wo auch EIMERWEISE BLUT fließt, es ist nicht ganz klar,  ob harmloses Theaterblut oder nicht ganz so harmloses ECHTES (TIER-)BLUT.

Man muß selber lesen, was die doch sonst zu geradezu altmodischer Gesittung und Gebarung neigende Rheinische Post, eine christ-katholische Zeitung zumal, dazu zu sagen hat, nämlich hier http://nachrichten.rp-online.de/kultur/tannhaeuser-mit-hitlergruss-und-gaskammer-1.3378586

(Wer es etwas deftiger mag, hier die Rezension der WAZ, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: http://www.derwesten.de/kultur/skandal-um-tannhaeuser-vor-gaskammern-in-duesseldorfer-rheinoper-id7917989.html) – ( Sogar Boulevardzeitung Express bringt Kurzmeldung, hier http://www.express.de/duesseldorf/skandal-bei-premiere-gaskammer-auf-der-opernbuehne,2858,22682194.html )

Der Rezensent der Rheinischen Post, die hier übrigens zur Gaudi des Lesers eine heute eher ungewöhnliche Sprachbemeisterung des Hochdeutschen deiktisch vorführt, wo nicht geradezu rhetorisch zelebriert  – ein Herr WOLFRAM GOERTZ, RP 06.05.2013  -, vermerkt ausdrücklich, die MANGELHAFTE ZEITGESCHICHTLICHE SENSIBILITÄT des ruhmheischigen Regisseurs Kosminski, der nämlich sich panzermässig hinwegsetzt über die Empfindungslage immerhin möglicherweise anwesender Zuschauer, die ZEITGESCHICHTLICH SELBST VON GASKAMMER und anderen NAZI-Auswüchsen betroffen waren – und sehr möglicherweise und voraussehbar “not amused” würden sein können wo nicht gar müssen.

Insoweit könnte man vielleicht fragen: Kosminski und Thilo Sarrazin, sind das jetzt einfach  Entgleisungen unter Einfluß von Dopingmitteln, oder ist das  jetzt der mondäne und weltläufige  TREND, chic, chockierend, hübsch gruselig-gruftig???!!!

Eben ein geschmackloser Marketingtrend, geboren aus selbst-ekeliger Übersättigung??!!

UND FÜR SO EINEN MIST, ZAHLE ICH SELBST AUCH ALS SOZIALHILFEEMPFÄNGER STEUERN?!

Und ich bin plötzlich stark verunsichert: VIELLEICHT HAT ES AUCH SEIN GUTES, DASS ICH SELBST AUS DEN STAATLICHEN KULTURSUBVENTIONEN und KULTUR-ALIMENTIERUNGEN HERAUSFALLE und vor solcher “dramaturgischer Entfremdung” meiner Musik-Arbeiten BEWAHRT bin. Wie sagte man doch zuzeiten: ER WURDE ABGESONDERT, DAMIT ER NICHT VERDORBEN WÜRDE!

Nun wird man sagen, daß KUNST je nach Geschmack Scharlatanerie ist oder Glaubensfrage oder eventuell Betrug. Aber ist sie ZUFALL?

Denn ZUFÄLLIG beginnt  nach der Premiere in Düsseldorf von Samsttag schon am Montag darauf der NSU-Prozess in München, wo es um NEO-Nazis geht, die es geschafft haben, in 10 Jahren 10 Morde zu begehen – weil es in Deutschland GARANTIERT keinen NAZI-Untergrund gibt … und weil es in Deutschland garantiert niemanden im Staatsapparat gibt, der NAZIS BEGÜNSTIGT und BEZAHLT.

Wie soll ich sagen: Wenn Deutschland schon so großzügig sein Geld für NAZIS auf der Bühne und NAZIS im Geheimdienstuntergrund  rausschmeißt, dann wäre die Finanzierung von Opernpremieren offensichtlich die WENIGER barbarische Variante – ich meine, jetzt mal versuchsweise vom Standpunkt des Volkes der Dichter und Denker aus betrachtet …

Entschuldigen Sie bitte meinen Zynismus … aber ich muß sonst schon wieder KOTZEN!

Follow up 9.Mai.2013

Die Internet-Edition der österreichischen Zeitung “Der Standard” meldet am 8.Mai.2013, 19:09:

– Die aktuelle Düsseldorfer  Tannhäuser-Inszenierung wurde von der Intendanz abgesetzt, aber das Werk wird weiterhin  konzertant aufgeführt. Die Intendanz hatte zuvor erfolglos versucht, den verantwortlichen Regisseur Kosminski zu Änderungen zu bewegen. Die Intendanz räumte ein, daß ihr schon bei der Produktion eine gewisse Problematik bezüglich von Publikumsakzeptanz aufgefallen wäre. Nachdem aber sich Leute derartig aufgeregt haben, daß einige Zuschauer offenbar sogar ärztliche Hilfe in Anspruch genommen haben und nehmen mußten, sei die Intendanz zur Tat geschritten wie oben berichtet.

– Die Jüdische Gemeinde von Düsseldorf hat eine solche Entscheidung allerdings nicht verlangt. Ich bringe ein Wortzitat aus dem Standard.at zu der Reaktion von jüdischer Seite, die aber wahrscheinlich so komplex ist, daß sie von einfach gestrickten Gemütern, voraussichtlich nicht verstanden wird, obwohl sie geradezu musikwissenschaftlich fundiert ist:

<< Die jüdische Gemeinde in Düsseldorf hatte die Inszenierung zwar als “geschmacklos” kritisiert, aber keine Absetzung verlangt. Gemeindedirektor Michael Szentei-Heise sagte am Montag, Wagner sei zwar ein “glühender Antisemit” gewesen, aber dem Komponisten dies “auf der Bühne so um die Ohren zu schlagen, halte ich für nicht legitim”. Wagners grundsätzliche politische Einstellung spiegele sich nicht in seiner Musik und auch nicht im Libretto wieder: “Wagner hatte mit dem Holocaust nichts zu tun”.  Szentei-Heise: “Es kommt mir komisch vor, Wagner verteidigen zu müssen.” >> Zitatende

Buike Musik And Science

Advertisements

About bbuike

- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
This entry was posted in culture, music and tagged , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.