Opernerlebnis, Bregenz, mit Andre Chernier von Umberto Giordano (1896)

Leserbrief an 3sat-online, Samstag, 21.07.2012

Sehr geehrte Damen und Herren!

1.Fast wäre ich versucht gewesen,  Ihre obige Produktion auf meinem Blog ausführlich zu rezensieren – SO GUT und SO INTERESSANT finde ich das.

2. Aber ich habe im Augenblick nicht die Zeit für den Besprechungsaufwand, den Ihre Produktion verdient … und verlangt …

3. Deshalb hebe ich nur folgende Punkte hervor:

3.1 Moderne Inszenierung schalte ich normalerweise DIREKT AB – aber was die Bregenzer sich da haben einfallen lassen,  ist GRANDIOS, denn es paßt
a) zum Gang der Handlung und zur Musik,
b) hat es DRIVE DER IDEEN (auf den liegenden Kopf der Freiheitsstatue und seine künstlerischen Konnotationen muß man erst einmal kommen!),
c) es sind UNGLAUBLICHE FARBWIRKUNGEN gelungen, die man SO  fast NIE zu sehen bekommt, und
d) ist die Seebühne von Bregenz sowieso EINMALIG SCHÖN …


3.2 Dann hielt ich mich bisher für “ausreichend gebildet”, daß ich schon mal was von Ruggiero Leoncavallo und Pietro Mascagni ( Bajazzo und Cavalleria Rusticana) gehört und gesehen habe  und als “Bildungsrest” mit mir herumschleppe – bis 3sat mir  KOSTENLOS  NACHHILFEUNTERRICHT und WEITERBILDUNG  über Umberto Giordano gab …
Sehr praktisch  die deutschen Untertitel, denn dadurch konnte ich mit meinem bischen Italienisch  einige Worte des Originals tatsächlich erfassen …
Tja, und dann die MUSIK …  und die historischen musikalischen Anspielungen an die Musik der französischen Revolutionszeit (Volkstänze, marschartige) …
und diese typisch italienische Eigenart, daß einfach ALLES “melodisch” und ein “sempre cantando” wird. Ja, und dann für mich als Hobby-Komponist natürlich besonders und SEHR interessant: die KLANGFARBEN, die SATZTECHNIK, das accompagniato in den Arien und arioso-Stellen … Und besonders verblüffend: diese MODERNITÄT der Klangwelt, die sich aber  – scheinbar – “ganz natürlich” ergibt: Man entschuldige diesen Widerspruch, denn in der Kunst kann es nichts “wirklich total Natürliches” geben …


4. Ich muß mich kurz fassen: Ihre Produktion ist eine WAHRE GROSSTAT, denn diese MUSIK VERDIENT, dem Vergessen entrissen zu werden – und sie wird auch dann noch überleben können, wenn schon längst niemand mehr Zeit finden wird, sich eine komplette Oper “reinzuziehen” … (Es geht wahrscheinlich nicht, aber ich würde glatt sagen, daß man eine CD mit einem QUERSCHNITT durch die SCHÖNSTEN Arien und CHÖRE machen und eventuell sogar vermarkten könnte … womit ich auch ein Kompliment an die STIMMLICHE PRÄSENZ der Darsteller ausgesprochen haben möchte …, von deren theatralischer Darstellungskapazität ganz zu schweigen, denn nicht jeder, der  singen kann, kann auch gleichzeitig sich auf dem Theater bewegen …)

5. Schlußakkord: Wie macht das kleine Österreich das? RUNDUM GROSSARTIG!
Und deshalb natürlich der professionelle RESPEKT – aber eigentlich viel eher das Gefühl,
daß sich da  echte Begeisterung einstellen will …

Die Aufführung ist gerade zu Ende gegangen – und ich höre aus dem Wohnzimmer den LANGANHALTENDEN APPLAUS!

DEM IST NICHTS UND DEM KANN NICHTS HINZUGEFÜGT WERDEN!
Denn hier ist AUSNAHMSWEISE “vox populi” auch “vox Dei” …

Mit freundlichen Grüßen

Bruno Antonio Buike

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About bbuike

- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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