Schlechter Stahl – Bild-Zeitung 05.09.2008

Thema:

“ICC (Züge) und schlechter Stahl” – Anmerkungen eines ehemaligen Stahlhilfsarbeiters und deutschen “Kulturschaffenden” (mit Abitur!)

source: Bild-Zeitung, Bundesausgabe, 05.Nov.2008, S.1 unten

Sehr geehrter Herr Mehdorn!

HABE ICH GELACHT!

Nein, nicht weil ich Ihre Probleme mit den MATERIALFEHLERN in ICC-Zugachsen nicht Ernst nehme oder weil Unfälle und Menschenleben mir egal wären!

Nein, ich habe gelacht, weil ich selbst mal Hilfsarbeiter im Stahlhandel war – und die dortigen “Qalitätskontrollen” KENNE!

Das war vor der Wende und dem Zusammenbruch des Kommunismus.

Und ich hatte schon damals ABITUR!

Aber weil ich eben nicht arbeitslos sein WOLLTE, habe ich eben den Job gemacht – und der war längst nicht so LEBENSGEFÄHRLICH wie woanders, auch wenn wir in OFFENEN Hallen – also sozusagen “bei Wind und Wetter” – arbeiten mussten, und zwar TOTAL FORTSCHRITTLICHE 9-10 Stunden täglich.

Ich verließ die Firma im Oktober nach 8 Monaten noch rechtzeitig vor der KALTEN Zeit, wo man aufpassen muss, daß die Hand nicht am kalten Stahl FESTKLEBT – allerdings nicht ohne einen GEDIEGENEN Eindruck von der PRAXIS zu erhalten.

Welcher Praxis?

Also das WUNDERN fing damit an, daß da Stahl aus ganz EXOTISCHEN Ländern per Binnenschiff angeliefert wurde.

Wußten Sie, daß die DDR, Bulgarien und die Türkei HEUTE WICHTIGE STAHL-Lieferanten für Deutschland waren und sind?

“Outsourcing” heißt das wohl – und hat den hübschen Nebeneffekt, daß man KOSTEN FÜR BETRIEBSSICHERHEIT, die hier in Deutschland ZWINGEND VORGESCHRIEBEN WÄREN, in der Türkei oder in Bulgarien natürlich “schlabbern” kann …

So, da war also dieser seltsame Stahl aus seltsamen Ländern – und machte urplötzlich die allerseltsamsten VERWANDLUNGEN durch.

Nämlich AUF DEM PAPIER.

Das heißt: Der STAHL WURDE UMDEKLARIERT.

Das ist – meist (!) – unproblematisch, wenn eine hochwertige Stahl-Quaslität TIEFER deklariert wird, um Kunden promt zu beliefern, aber nur meistens und wenn man zufällig weiß, welche Stahlsorten für welche Zwecke gehen oder nicht, egal ob “hochwertig” oder nicht.

UMGEKEHRT IST ES ALLERDINGS EIN PROBLEM – wenn also “schlechter Stahl” plötzlich zu “gutem Stahl” wird … … …

Natürlich sind nicht alle Abnehmer total verblödet und manche VERLANGEN TATSÄCHLICH eine ULTRASCHALL-QUALITÄTSKONTROLLE nach US-amerikanischer NORM, die SCHRIFTLICH TESTIERT werden muss.

Da lief also manchmal – wenn die Kunden das denn unbedingt so wollten – einer unserer Kollegen mit einem Ultraschallgerät herum und machte dies und machte das – beschrieb auch wohl eifrig Papier nach etlichem Kopfkratzen, WIE DIE SACHE DENN HINZUBIEGEN wäre, vorausgesetzt natürlich er hatte das Papier überhaupt VERSTANDEN, vorausgesetzt er war NÜCHTERN und / oder INTELLIGENT genug, um das MESS-VERFAHREN korrekt durchzuführen und die Geräte KORREKT abzulesen!

“Ja, das gibt’s doch gar nicht!”, höre ich jetzt einen empörten Ausruf?! “Wir sind doch hier in Deutschland und nicht in einer Bananenrepublik!!??”

Nun, was die ZUSTÄNDE in Deutschland sind, das ist hier und jetzt nicht unser Thema – und auch für HILFSARBEITER ein bischen zu schwer zu beurteilen!!

Aber ich verrate durchaus KEIN GEHEIMNIS, wenn ich von ANDEREN ARBEITSSTELLEN berichte, wo es ebenfalls auf eine GEWISSE GENAUIGKEIT ankam, daß manche Kollegen ERNSTHAFTE SCHWIERIGKEITEN hatten, ZOLLSTOCK KORREKT ABZULESEN (!!!) und den NONIUS AUF DER SCHIEBLEHRE ÜBERHAUPT ZU BENUTZEN!!!!

Sehr geehrter Herr Mehdorn!

Soviel ich aus der Praxis weiß, VERLASSEN SICH DEUTSCHE “STAATSHOCHBAUÄMTER” NICHT auf die Deklarationen und Kontrollen der Zulieferer, sondern sie machen EIGENE EINGANGSKONTROLLEN.

Allerdings ist die “heutige Kostendruck-Situation” dergestalt, daß auch die Stahl-Abnehmer bei QUALITÄTSSICHERUNG (und WARTUNG) “sparen” oder glauben, sparen zu müssen, EGAL WAS DIE TECHNISCHEN NORMEN und Spezifikationen der Ingenieure VERLANGEN.

Wenn ich den Bild-Zeitungs-Artikel richtig verstanden habe, mußte ja auch die Deutsche Bahn diese spezielle Material-Prüfung EXTERN von einem Bundesamt vornehmen lassen …

Kurz und gut Herr Mehdorn:

a) ICH HABE LÄNGST DEN GLAUBEN VERLOREN – (aber nicht das Lachen) …

b) Da mein persönlicher Glaube oder meine persönlichen Schätzungen und Fehl-Einschätzungen nicht besonders wichtig sind, darf ich vielleicht ergänzen, daß ich NICHT UMSONST GEWARTET habe, nicht nur auf diesen Zeitungs-Artikel, sondern zum Beispiel auch auf die Zeitungsberichte über QUALITÄTSMÄNGEL beim BRÜCKENBAU (das war besonders akut vor einiger Zeit in Österreich), denen wir LOCKER Qualitätsmängel hinzufügen können ÜBERALL DORT, wo eben “SCHLECHTER” STAHL NORMWIDRIG verwendet wird!

c) Es nützt auch nichts, um meinen Glauben wieder herzustellen, daß wir die JURISTISCHE SEITE betrachten, nämlich BETRUG und / oder “Unfälle mit Todesfolge aus niedrigen Beweggründen und Fahrlässigkeit”. Denn, bitteschön, WER sollte das wohl DURCHSETZEN und DURCHFÜHREN?!

Ich komme zu dem Schlu:

Der DEUTSCHE FACHARBEITER, der, ohne Ingenieur-Abschluß, das Land nach dem 2.Weltkrieg wieder aufgebaut hat, der STOLZ AUF SEINE FACHKOMPETENZ war, ist vorzeitig in Rente geschickt worden oder aus Altersgründen oder sonstwie “ausgestorben”.
Wenn kein Personal mit vergleichbarer MOTIVATION und EINSTELLUNG “nachwächst” – dann werden wir noch MEHR ÄHNLICHE ARTIKEL lesen werden, und zwar obwohl es angeblich “Agreements” bei den Zeitungen geben soll, daß über bestimmte Ereignisse kein “journalistischer Wind” gemacht wird. z-B. nicht über die Statistik der tödlichen Arbeitsunfälle in Stahlwerken (das weiß ich GENAU, denn das hat mir ein Journalist in Bremen vor Jahrzehnten GENAU SO berichtet!) …

Seien wir abschließend auch DANKBAR:

DENN ES IST EIN WIRKLICHES WUNDER, dass nicht NOCH MEHR und NOCH VIEL SCHLIMMERES passiert!

Mich selbst gehen “diese Dinge” übrigens schon lange nichts mehr an, denn ich bin jetzt “hilfsarbeitermässig härte-getesteter” wissenschaftlicher Autor und klassischer Komponist!

AUCH EINE ART “MATERIAL-PRÜFUNG”!

Vielleicht schreibe ich mal eine “Ultraschall-Musik aus dem Stahl-Werk” – wahrscheinlich aber nicht!

Mit freundlichen Grüßen 

Buike publishing

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- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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