3 Maenner – 3 Fehler – 3 Katastrophen. Luther, Descartes, Marx

Copyright: Bruno Antonio Buike, Neuss / Germany – Aug.2008

3 Männer – 3 Fehler – 3 Katastrophen. Luther, Descartes and Marx – E040

1. Die Prinzipen “sola fide” und “sola scriptura” des Martin Luther (1483-1546)

1.1 Wenn man die gebräuchliche Übersetzung von “sola fide” nimmt, erhält man, daß “nur der Glaube” zählen soll.
Ein Glaube allein aber führt zu schwersten Bedenklichkeiten, nämlich Autosuggestion, Selbstbetrug, letzlich persönlicher Einbildung ohne irgendwelche Rückbezüge zu Realität, wie sie ist. und wie sie als Korrektiv für das Denken und für die tatsächliche Bestimmung der Stellung des Individuums funktioniert. Mit einem Wort: Es sind sicher Fehl-Orientierungen zu erwarten, wenn dieses Prinzip kritiklos angewendet wird.
Völlig erwartbar hat denn auch schon die zeitgenössische katholische Gegenposition darauf hingewiesen, dass der Glaube sich auf sogenannte “Heils-Tatsachen” gründet und keineswegs im luftleeren Raum persönlicher Phantasien angesiedelt ist.
Josef Pieper hat dann im ausgehenden 20.Jahrhundert das philosophische Verhältnis von Glaube und Wissen so bestimmt: Glaube gibt Anteil an göttlichem Wissen, das ihm vorausgeht, das aber menschliches Wissen übersteigt und deshalb auch oft rätselhaft BLEIBT. Was diese Position so sympathisch macht ist, daß hier ein Regulativ eingebaut ist, daß Glaubensverkündigung nicht einfach in clevere Marketingstrategien ausartet, wie jedermann sie aktuell im protestantischen US-Fernsehen finden kann in einer für europäische Erfahrungsgewohnheiten kaum erträglichen Form und Übertreibung. Es geht also nicht darum – und kann auch niemals darum gehen – Glauben in Richtung eines blossen “Für-Wahr-Haltens” aufzulösen, sondern primär ist ein übergeordnetes WISSEN, das nur deshalb zu Streitereien führt, weil es für den Menschen so schwer zugänglich und so schwer verifizierbar oder auch nicht verifizierbar ist, was jedoch dieses vorausgehende und vorrangige “göttliche Wissen” nicht aufhebt und irrelvant macht. Zwischenergebnis: Was ich persönlich mir “glaubend” einbilde, war, ist und wird niemals massgebend sein.

1.2 Womöglich noch schlimmer steht es mit dem Prinzip “sola scriptura”, was übersetzt besagen soll, daß “nur die Heilige Schrift allein gelten soll”.Wir schlagen also das Neue Testament als die für Luther maßgebliche Religionsquelle auf, ein äusserst dünnes Büchelchen mit erstaunlich wenig Seitenumfang – und finden dort NICHTS!
Wir finden dort NICHTS über die Zubereitung und Rezepturen der – bis auf den heutigen Tag besonders in der ostchristlichen Orthodoxe erstaunlich vielfältigen – Sorten von heiligen Ölen und geweihten Wässern. Wir finden dort KEINEN EINZIGEN GOTTTESDIENST VOLLSTÄNDIG beschrieben, also welche Gebete in welcher Abfolge zu welchen Gelegenheiten und Festtagen zu sprechen und in einer speziellen Weise zu SINGEN sind. Wir finden dort NICHTS über christliche Architektur und Kirchenbau, also nichts über zweckmäßige TECHNISCHE Bauweise und Inneneinrichtung von Gebetsräumen! Wir finden dort NICHTS über den christlichen Kalender, also die astrophysikalische Ordnung der christlichen ZEIT..
Nun wird man einwenden: Aber es gibt doch noch das Alte Testament! Ja, das schon, aber das Alte Testament und seine Kommentar-Literatur in Mischna, Talmud und anderem sind nicht christlich, sondern JÜDISCH! Sie sind noch mehr: Sie waren für Luther noch viel unverständlicher als bei heutigem Kenntnis – und Forschungstand, der sich seit der “Wieder-Entdeckung” des Hebräischem im 19.Jahrhundert bis heute eingestellt hat.
Hat also Luther eine Religion gepredigt, in der man sich praktisch an NICHTS oder jedenfalls NUR WENIG zu halten braucht? Dies ist genau die Frage nach der protestantischen Art und Weise von Kirchenlenkung und Kirchen-Autorität: Man weiß zur Genüge, daß die historische Entwicklung dahin ging, eine auch im Protestantismus selbst als äussert problematisch empfundene “Interessen-Gemengelage” zwischen Kirche und FÜRSTEN zu erzeugen, also letztlich bei Fürstenmacht, Staatswillkür und heilloser ZERSPLITTERUNG endete.

1.3 Auch wenn ein so großer Geist wie Thomas von Aquin grundsätzlich konzedieren würde, daß Gott heilig machen kann, wen und wie er will, auch ausserhalb der historischen Kirchenorganisationen oder Kirchengebäude, sogar dann, wenn jemand von Christentum noch nie etwas gehört hat, aber sein Menschsein zu veredeln sich unterfängt., so möchten wir auf einige historische Konsequenzen aufmerksam machen:
a) Es ist keineswegs zufällig und liegt auch nicht völlig ausserhalb des protestantischen “Referenz-Rahmens” oder “Bezugs-Systems”, wenn heute einige evangelische Pastoren von der Kanzel im Gotteshaus verkünden, dass sie nicht an Gott glauben, denn das ist nur eine Grenzposition aus dem Prinzip von “sola fide”, frei nach dem Motto: “Kein Glaube ist auch ein Glaube!”
b) Zersplitterung erwähnten wir schon, aber wir erwähnten noch nicht ein mögliches Endstadium von Zersplitterung, nämlich das Ende von Kirchenorganisation durch SELBST-AUFLÖSUNG!
c) Die möglicherweise UNGEWOLLTE schlimmste HISTORISCHE Einzelkatastrophe im Gefolge Luthers war zweifelsohne der 30-jährige Krieg in Deutschland.. Nach unserer begrenzten Kenntnis der Kriegsgeschichte führte dieser Glaubenskireg zu einer SEHR SELTENEN Zerstörungswirkung, unter anderem zu einer Dezimierung der Bevölkerung Deutschlands um fast 50%, falls man den Quellen und den daraus abgeleiteten begründeten Vermutungen der Geschichtswissenschaft trauen kann. Nicht einmal Stalin, Mao oder Hitler haben Vergleichbares geschafft!

 

2. Das “ergo sum” des Rene Descartes (1596-1650)

2.1 Das “cogito, ergo sum” – “Ich denke, also bin ich” – des Rene Descartes ist zwar berühmt, wird aber davon nicht richtiger. Es ist nämlich ein falscher, weil lückenhafter logischer Schluß oder Syllogismus, wie folgt:
Der klassische Syllogismus besteht aus Voraussetzung 1, Voraussetzung 2 und dem Schluß-Satz oder der Konsequenz. Was fehlt hier? Na kalr, die 2. Voraussetzung! (Diesen Hinweis haben wir aufgeschnappt von einem Professor in einem philosophischen Seminar der Universität Düsseldorf, der überdies so kühn war, die unten genannte Quelle Tugenhat zur neueren Sicht des Widerspruchs vorzustellen … )

2.2 Wir versuchen mal, ob man die fehlende 2.Voraussetzung als implizit oder stillschweigend auffassen kann, um sie zu rekonstruieren. Das ergäbe ungefähr: 1. Ich denke. 2. “Ich ist zulässig” und/oder “denken ist zulässig” – FOLGLICH ergäbe sich Gültigkeit von “Ich bin!” – meint vielleicht Descartes, allerdings nicht ohne dass sich sofort Diskussionsbedarf ergäbe, womit wir sagen wollen: Das wäre zunächst reinste Geschmackssache.

2.3 Wenn man logisch nicht weiter kommt, was für Philosophen berufsbedingt an sich traditionell als nicht rcht mangelfrei angesehen wird, kann man noch hermeneutische Textinterpretations-Methoden versuchen ungefähr nach Art der Frage: “Was, um Gottes Willen, KÖNNTE Descart GEMEINT haben, oder AUSGEDRÜCKT haben wollen?” Dabei allerdings bleibt eine grundsätzliche Skepsis, ob aus einem handwerklich defekten Ausgangsmaterial etwas Gescheites herauskommen kann, a) überhaupt und b) mit genügender Sicherheit oder Irrtums-Freiheit des Deutungs-VERSUCHS..Eines aber ist klar: Irgendwie müsste das vermutete Gemeinte mit den drei Worten “ich” und / oder “bin” und “denke” zu tun haben …

2.4 Wir picken uns jetzt das Wort “bin” heraus, weil es nämlich diesen vertrackten Infinitiv “sein” enthält, der bekanntlich Vollverb oder Hilfsverb sein kann. Ist er Vollverb, gelangt man zur metaphysischen Teildisziplin der Ontologie, also der “Lehre vom Sein”, ist er Hilfsverb gelangt man in Nebenwege der Grammatik, die hier wahrscheinlich keine Rolle spielen.

2.5 Klassische Ontologie nun deduziert aus einem “höchsten Sein”, das nur Gott zukommt, aus dem dann alles andere nachgeordnete und unvollkommenere Sein und Seiendes abgeleitet wird, unter anderem eben der inferiore Mensch. DAS NUN OFFENBAR MEINT DESCARTES NUN GERADE NICHT, da er es nicht erwähnt, nämlich durch die Nicht-Erwähnung Gottes und auch durch die Nicht-Erwähnung der deduktiven Methode.

2.6 Es ist nun aber durchaus unklar, was Descartes denn nun eigentlich “begründen” will, das ICH, das hier sozusagen keck Gott entgegentritt aus eigener philosophischer Vollkommenheit oder das “Sein”, und dieses dann eben nicht im Sinne herkömmlicher ontologischer Seins-Interpretation, sondern in einem “neuen” Sinn, nämlich dem von EXISTENZ, nicht nur einfach im Sinne von Da-Seiendem, wie sich die klassische Ontologie ausgedrückt hätte, was zur “Quidditas” führte, der philosophisch zunächst belanglosen “puren Vorfindlichkeit”, sondern im Sinne von “selbstmächtiger Existenz” und “selbstgenügsamem Existenzrecht” nicht mehr Gottes, sondern des seiner selbst ansichtig werdenden und sich emanzipierenden Ichs, aus dem sich später geschichtlich die europäische Interpretation des Individums und des übersteigerten Individums, nämlich des höchst fragwürdigen Genieskultes des 19.Jahrhunderts, ergibt – und zwar mit allen bedenklichen Übertreibungen, und zwar bis hin zum Wahnsinn Nietzsches! Wir sehen hier und halten es wegen seiner Bedenklichkeit SCHARF fest: Wenn man die DEDUKTIONSGRUNDLAGE, den Ausgangspunkt der klassischen Ontologie, ENTFERNT, gelangt man keineswegs NOTWENDIG dahin, wohin Descartes uns führen möchte, nämlich zu “Ich” oder “Existenz”, sondern – von der klassischen Ontologie her gesehen, zu BELANGLOSEM, nämlich der Quidditas, dem einfach so und nichtssagend “Vorfindlichen”, sozusagen zu „Menschlich-Allzu-Menschlichem”, nicht aber notwendig sofort zu dem irgendwie bemerkenswerter sein sollenden Individuum.

2.7 Es verschlägt hier nun wenig, wie man Descartes philosophiegeschichtlich einordnen will, ob als Wegbereiter des Rationalismus, als Wegbereiter eines neuen quais-soziologischen Touches in der Philosophie oder als Wegbereiter eines utopischen Menschenbildes im Sinne Rousseaus. Der Kernpunkt scheint uns der zu sein: Descartes ist vielleicht Gott nicht völlig abhanden gekommen, aber er benötigt ihn nicht mehr. Wir verdeutlichen dies an Hand eines Gedankens des zeitgenössischen Hugo Grotius (1583-1645). Grotius benötigt keinen Gott mehr für deduktive Ableitungen, denn er sagt ungefähr: Tun wir mal so, als ob Gott nicht existiert – und versuchen wir danach dann eine selbstgebastelte Konstruktion, im Falle von Grotius nicht der Philosophie, sondern des Rechtes – von welch letzerem man zur Genüge weiß, daß die Rechtspraxis allen gut gemeinten Rechtskonstruktionen manchmal geradezu Hohn spricht, was also die Konstruktion selbst PHILOSOPHISCH UNTAUGLICH macht, sprich: grundlegend erschüttert bezüglichlich ihrer Tragfähigkeit.

2.8 Der erste Schwachpunkt dieser Philosophie ist klar: Was ist, wenn es doch einen Gott gibt, so daß man nicht so tun kann, als ob man ohne ihn irgendetwas begründen könnte!? Dies ist die STÄNDIGE ANGST, die im Hintergrund dieser Philosophie lauert – und die auch nicht beseitigt werden kann, obwohl man lustig weiter vor sich hin lebt und philosophiert.

2.9 Der zweite Schwachpunkt dieser Philosophie ist vielleicht erst aus heutiger Sicht klarer geworden, nämlich nach den formallogischen Klärungen des 20. Jahrhunderts und insbesondere nach den Gödel-Theoremen von 1928-1932. welche kurzgefaßt besagen: Die Widerspruchsfreiheit eines Systems läßt sich nicht mit systemeigenen Mitteln beweisen. Eine der Folgerungen der Gödel-Theoreme interesiert hier besonders, nämlich daß wir seitdem kaum noch eine moderne Wissenschaft AUS SICH begründen können, die Mathematik nicht, die Statistik nicht, die Logik nicht und alle nachgeordneten Wissenschaften auch nicht (- obwohl diese seltsamerweise trotzdem irgendwie funktionieren, wir wissen bloß nicht – oder nicht mehr -, warum!).

2.10 Die Anschlußfrage an die Gödel-Theoreme ist klar: Kann der Mensch AUS SICH heraus begründet werden?
Die Religion sagt nach alter Weise klipp und klar: Nein, der Mensch ist das Wesen, das aus sich heraus nicht begründet werden kann, weil er Geschöpf ist und deshalb keine nicht-bedingte Autonomie besitzt und nicht gedacht werden kann UNABHÄNGIG von seinem Schöpfer. Nach der neueren Gödel-Art müßte man ungefähr formulieren: Sollte es eine Begründung für den Menschen geben, dann kann diese sicher nicht absolut zweifelsfrei mit systemeigenen Mitteln des „Systems Mensch” gefunden werden, sondern erforderte, ein logisch übergeordnetes System aufzusuchen, von dem her das dann zum Sub-System gewordene „System Mensch” abgeleitet werden könnte, was dann aber auf einen recursus ad infinitum hinausläuft, von dem man nicht weiß, ob er wirklich infinit funktionieren würde.

2.11 Wir überspringen die Russel’schen Klärungen aus dessen Phase des “logischen Atomismus”, die man dahingehend zusammenfassen kann, daß Russel exakteren Sprachgebrauch anmahnt bezüglich der Konnotationen von “esse”, “sein”, die Descartes ja noch nicht kennen konnte und möchten hier abschließend eine Gegenposition aus der asiatischen Philosophie referieren. In Asien würde man fast überall unmittelbar einwenden: Alles unterliegt dem, was die Buddhisten aufliegend auf der brahmanischen Tradition der Upanishaden “bedingte Existenz” nennen, so daß alles letztlich ILLUSION ist – und folglich auch “Ich” und folglich auch “Existenz”. Die Frage zu stellen, ob es eine “unbedingte Existenz” gibt, die dann einem “höchsten Gott” zuzusprechen wäre, wird im Buddhismus dann meist praktisch erledigt dergestalt, daß sie als Zeitverschwendung – weil viel zu weit über dem Menschenmöglichen liegend und deshalb prinzipiell zum Scheitern verurteilt – und ebenfalls illusionäre ABLENKUNG interpretiert wird, woraus aber noch lange nicht folgt, daß der Buddhismus etwa im Sinne europäischer Traditionen “atheistisch” wäre oder gar die Existenz höherer Wesen, nämlich von “Engeln” und “Dämonen” leugnen würde, und zwar den im 19.Jahrhundert verbreiteten unverständigen europäischen Fehlinterpretationen vielleicht sogar propagandistischer Art zum Trotz.

2.12 Wenn wir fragen, ob Descartes ES BESSER HÄTTE WISSEN können, dann stoßen wir natürlich auf den im Tor zum Apollon-Heiligtum im griechischen Delphi eingemeisselten Satz: “Erkenne dich selbst” (“Gnooti seauton!” – “Γνωτι σεαυτον!”). Und die griechische Form dieses Satzes läßt keine Interpretation zu etwa wie :”Suche dein Ich!” oder “Suche deine Existenz oder Gewißheit über deine Existenz!”. Die griechische Form des Satzes ist REFLEXIV und könnte etwas freier übersetzt werden mit: einer Aufforderung, “über sich selbst erkenntnissuchend nachzusinnen” – wir dürfen hier daran erinnern, daß griechisches “gnooti” keineswegs zufällig zur Bezeichnung der Gnosis herangezogen wurde, also durchaus nicht das meint, was wir heute unter “philosophieren” oder “nachdenken” verstehen! – , was dann nicht zum ICH führt, sondern zum SELBST, dann ferner nicht zu Existenz-Vergewisserung sondern zu ERKENNTNIS, dann und nur dann, wenn diese der WAHRHEIT genügt, die bekanntlich an sich nur dann eine solche sein kann, wenn sie ohne “persönliche Existenzvergewisserung” eine vom Denksubjekt UNABHÄNGIGE Daseinsweise besitzt. Womit wir sagen wollen: Das Streben nach individueller Vergewisserung kann auch sehr belanglos sein, weil doch ohne weiteres einsehbar ist, daß es Erkenntnis und Wahrheit geben könnte, die unabhängig von den Bemühungen und gegebenenfalls Verrenkungen eines Individuums bestehen könnten, ja, es wäre sogar sehr bedenklich, wenn Erkenntnis und Wahrheit nicht auch aus etwas anderem als bloß einem „sich seiner selbst vergewissernden Individuum” zu begründen wären!

2.13 Über das Selbst und das Über-Selbst nun hatte der Autor Paul Brunton (Pseudonym für Raphael Hurst) im 20. Jahrhundert so Bemerkenswertes zu sagen, daß seine Einlassungen vielleicht einmal die Basis für eine neue europäische Philosophie des 3.Jahrtausends werden könnten, jedenfalls so weit wir im Augenblick zu sehen vermögen. Brunton spielt in der akademischen Berufsphilosophie keine nennenswerte Rolle und wir fügen deshalb hier einige und wenige Literaturhinweise direkt ein:
a) Brunton, Paul: Die Philosophie der Wahrheit – tiefster Grund des Yoga, Freiburg/Brsg.: Hermann Bauer 1951 (und öfter); engl. u.d.T.: The Hidden Teaching Beyond Yoga, London: Rider & Co. —
b) Brunton, Paul: Das Selbst und die Unendlichkeit (aus den Notebooks, Tagebüchern) Grafing: Aquamarin 1991
c) Brunton, Paul: Das Überselbst, Freiburg/Brsg.: Hermann Bauer 1980, 6.Aufl.; engl. u.d.T.: The Quest of the Overself

2.13 Oder anders gesagt: Verglichen mit der vorausgegangenen europäischen Philosophiegeschichte ist die Verkürzung dessen, was die ostchristliche Orthodoxie unter der Bezeichnung “MYSTERIUMS des Menschen” faßt, auf ein behauptetes ICH eine seltsam DÜRFTIGE Hilfskonstruktion, die nicht den Gegenstand der Frage weiter ausleuchtet, sondern den Konstrukteur in Frage stellt, ihn zumindest auf Grund des obigen formalen Befundes in die Nähe zu “elegantem Unsinn” rückt. Und wie gesagt: Verglichen mit den unendlichen Weiten des Universums kann das Individuum auch als herzlich belanglos aufgefaßt werden! Oder: Jede vielleicht propädeutisch wünschenswerte Akzentuierung von “Ich” und “Ich-Existenz” hebt sich selbst irgendwann auf, weil es nicht darum geht, sondern um eine – ostchristlich orthodox gesagt: – “Erhebung des Menschen” oder – etwas mehr in gewohnter Sprachlichkeit formuliert – um “Überwindung der Begrenzungen des Individuums”, so daß Descartes diesbezüglich sogar als Entwicklungsbremse verstanden oder mißverstanden werden könnte, was schlechterdings Sinn und Zweck von Philosophieren AUFHEBEN und NICHTIG machen würde!

2.14 Rationalismus Descart’scher Prägung ist nun zwar ganz gewiß eine Vorstufe zum expliziten Atheismus des 17./18.Jahrhunderts und zu deren „Aufklärung” / „enlightnment”, der sich sozusagen fortsetzt zum platten und banalen Materialismus von Marx im 19.Jahrhundert, aber wir können keine DIREKTEN historischen Katastrophenwirkungen mit Descartes verknüpfen – und eine INDIREKTE Verknüpfung mit solchen wäre reinste Geschmacksache und damit philosophisch unerheblich – obwohl da ein übler Nachgeschmack von “schlechtem Einfluß” bleiben mag.

 

3. Zur zentralen Stellung des Widerspruchs bei Karl Marx (1818-1883)

3.1 Wie kann man nur den Widerspruch zum zentralen Angelpunkt einer Theorie machen? Da muß man wirklich erstmal dauf kommen – und vorher alles vergessen, was man über die 4 Arten der Gegensätze in der klassischen Logik gelernt hat, von denen der Widerspruch nur einer ist, allerdings mit einer Sonderstellung.

3.2 Zugegeben, da herrschte lange eine gewisse Unklarheit, wie das Verhältnis des “tertium non datur” ( a et non-a) zu dem SATZ “ex falso quodlibet” (“aus dem Falschen FOLGT – zwingend! – Beliebiges”) sein könnte – allerdings wiederum nur für solche, die geflissentlich den Zusammenhang beider auch in der klassischen Logik übersahen … oder übersehen wollten.

3.3 Heute können wir dann das Problem des Widerspruchs als geklärt ansehen. und zwar durch die neuere fomalisierte Logik. Das glaubt uns bestimmt keiner – und wir geben vorsichtshalber eine Quelle an: Tugenhat, E. / Wolf, U.: Logisch-semantische Propädeutik, Stuttgart: Reclam paperback 1986, S. 50-65 (dort auch die englischsprachigen Originalarbeiten nachgewiesen!).. Man stelle sich vor: Das, woran im 19.Jahrhundert gar etliche scheiterten, ist heute Gegenstand der Propädeutik, also der Vorbereitung – und erst danach kommen dann die hauptsächlichen Stücke heutiger Forschung.

3.4 Wir brauchen hier nicht auf Dinge einzugehen, die offenbar nicht sehr viele interessieren, nämlich daß man heute schon elaborierte Kalküle mit 3 Wahrheitswerten hat (z.B.für die Logik der Sprache) – wahr, falsch, unbestimmt – und rein theoretisch auch Systeme mit noch mehr Wahrheitswerten konstruieren können sollte, obwohl wir solche noch nicht gesehen haben. Solche neuen Kalküle – wir erwähnen es nur nebenbei – haben dann auch Bezüge zu neueren grundlagenphysikalischen Fragestellungen, in denen so seltsame Dinge vorkommen, wie „Teilchen”, die sich GLEICHZEITIG in Gegenwart und Vergangenheit bewegen und was dergleichen noch sein mag.

3.5 Fehlt aber der Angelpunkt des Widerspruchs, dann ist weder die aus der klassichen Logik folgende unerträgliche ZUSPITZUNG vermittels des Werkzeugs des Widerspruchs bei Marx nachvollziehbar, noch auch besitzt der Widerspruch aus heutiger Sicht irgendeine philosophisch bedrängende Brisanz – und alles, was Marx so fein säuberlich um den Widerspruch herum gruppierte, ist damit prinzipiell HINFÄLLIG, jedenfalls bezüglich der Begründungsmethode, die Marx selbst gewählt hat.

 

4. Ergebnis

 

4.1 Wir stellen fest, daß FEHLER und SCHIEFLAGEN keineswegs HISTORISCHE WIRKUNG und POLITISCHEN EINFLUSS ausschlie0en!

4,2 Wir sahen ferner, daß alle drei Beispiele VERMEIDBAR gewesen wären, daß ihre Urheber ES HÄTTEN BESSER WISSEN können.

4.3 Bei der vorgegebenen – sagen wir: keineswegs übermässig anspruchsvollen – SACHLICHEN SUBSTANZ der Beispiele, bietet sich hier eine PSYCHOLOGISCHE Vermutung als Lösung an, WIE ES DAZU KOMMEN KONNTE. Dieserhalb erinnern wir uns, wie im Lateinischen der “volksverderbende Aufrührer” benannt wurde, nämlich als ein Mann “cupidus rerum novarum”, also als jemand, der nach Neuem lüstert oder giert. Und warum tut der Aufrührer so im Unterschied zum echten Reformer? Er tut so, um vermittels des NEUEN einen ÜBERRASCHUNGSEFFEKT zu erzielen, der AUFMERKSAMKEIT heischt und Grundlage zur nachfolgenden MARKETING-STRAGEGIE oder WERBE-KAMPAGNE wird. SO WIRD MAN BEKANNT UND ERREICHT WIRKUNG, wenn es um die Sachen eigentlich gar nicht geht, sondern um EINZELNE, die BEKANNT und / oder BERÜHMT werden wollen, sei es aus übertriebenem EHRGEIZ, sei es aus einem versteckten Minderwertigkeitskomplex heraus, sei es als Kompensation für irgendeine schwerwiegende Verletzung der Seele. Das ist kein Spaß: die neuere Forschung scheint dahin zu tendieren, daß Luther Merkmale des manisch-depressiven Formenkreises aufweist und die „Psychostruktur” des Herren Marx angefangen von seiner „menage a trois” ist gegenwärtig lustvolles Objekt der Kritik der Enttäuschten nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, des real existierenden!

4.4 Man könnte anders fragen: Wie vernebelt man erfolgreich das Denken? Durch “Erfindung” feiner und sogar unfeiner “neuer NUANCEN” und “Sinnverschiebungen”, die das – teils pubertäre – ERLEBNIS vermitteln: Nein, so haben wir das ja noch nie gesehen. ERST JETZT VERSTEHT MAN ALLES RICHTIG! ENDLICH KEINE FRAGEN MEHR! – was aber, wie gesagt, nur mittelbar wichtig ist, weil es eigentlich um die AUFWERTUNG der PERSON des URHEBERS geht!.Das geht dann solange gut, bis ein Kind wie im Märchen daherkommt und ausruft: “Der Kaiser ist ja nackt – UND HAT GAR KEINE NEUEN KLEIDER.” – Also alles nur BLUFF, den sogar jemand ohne akademischen Abschluß “nachweisen” kann!

4.5 Angesichts der HISTORISCHEN Wirkungen, die alle drei Beispiele hatten, verbietet sich jedoch eine oberflächliche “Freude über Entlarvung”! Wir haben stattdessen zu fragen nach den STEUERUNGSMECHANISMEN von Geschichte – die sind nach unserer Auswertung der avantgardistischen Geschichtsforschung etwas andere als die marxistischen “Gesetze der Geschichte” , worauf wir hier jedoch nicht eingehen können! – und sehen hier Beispiele für NEGATIVSTEUERUNG, bezüglich derer es eines STARKEN GLAUBENS bedarf – also eines GANZ ANDEREN GLAUBENS als den, den Luther uns mit seinem “sola fides” anbietet und empfiehlt!!! – , um gewiß zu sein und zu bleiben, daß “Gott auch auf krummen Linien gerade schreibt.”

4.6 Alle hier beobachtete stilistische Nettigkeit aber entbindet natürlich nicht von PERSÖNLICHER VERANTWORTLICHKEIT und purifiziert nicht von PERSÖNLICHER SCHULD!

weitere Lektüre einer Liste “entbehrlicher Autoren” zwecks ZWEITERSPARNIS aus Aug-2016 –  URL https://brunobuike.wordpress.com/2016/08/06/luther-kant-marx-rahner-heidegger-und-andere-entbehrliche-beruhmtheiten/

 

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- *1953 in Bremen / Germany - since decennia in Neuss / Germany - classical composer (registered since 2005) - scientific freelance writer - registered to German National Library "Deutsche Bibliothek", search "Bruno Buike", with 246 items in 2013 1996-97 - 5000 qm Rekultivierung Obstwiese mit Kleintierhaltung 2004/05 - 3 Wochen Gartenpflege in einem orthodoxen Kloster in Deutschland 2009 - 3 Wochen Katastrophenhilfe Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2011 - journey to Przemysl/Poland - and learning of basic Polish vocabulary and reading/pronounciation 2013 University of Tokyo - Conditions of war and peace - Coursera - Certificate 2013, December - after 15 years in mainly Russian-orthodox and Greek-orthodox affairs return to Roman-Catholic church 2014 National University of Singapur, Conservatory - Write like Mozart. Introduction to classical composition - Coursera Certifikate "with distinction"
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